Virus-Alarm Wer die Wahl hat, hat die Qual
Warum schreibt man Viren? Die meisten Virenverbreiter werden vom gleichen Drang getrieben, der Menschen dazu bringt, sich in Nachmittags-Talkshows seelisch zu entblößen: Sie suchen den kurzen Ruhm. Das gilt insbesondere für die Programmierer der zahlreichen Würmer der letzten Jahre, die im Grunde kaum je mehr taten, als sich selbst zu vervielfältigen und E-Mail-Postfächer zu verstopfen.
An die Handvoll Ausnahmen wie etwa den "Loveletter" (immer noch in den aktuellen Top 10 der meistverbreiteten Viren) erinnert man sich über Jahre.
Die Autoren dieser Ausnahmen werden nicht kurz berühmt, sondern längerfristig berüchtigt. Wer auch immer "Vote.A", den neuesten, derzeit kursierenden Wurm verfasst hat, dürfte in diese Liga Einzug halten, wenn sein Virus Erfolg haben sollte.
Denn Vote.A ist ungewöhnlich bösartig.
Wie viele seiner Vorgänger verbreitet sich auch Vote.A über das Nutzer-Adressbuch von Outlook-Express. Nach seiner Phase der Selbstvervielfältigung aktiviert Vote.A ein mit "wtc.exe" benanntes Programm, das versucht, beim nächsten Start sämtliche Dateien im Windows-Verzeichnis zu löschen und die Festplatte zu formatieren.
Zusätzlich verändert das Virus sämtliche auf dem befallen Rechner gefundenen HTML-Dateien und versucht, eine Internet-Verbindung herzustellen.
Über diese macht Vote.A den Versuch, einen "Backdoor"-Trojaner zu installieren: Falls das gelingt, hat man ein massives Problem, selbst wenn die anderen Schadensroutinen nicht erfolgreich waren. Eine weitere Nutzung des Rechners in Verbindung mit dem Internet ist dann nur anzuraten, nachdem man das Betriebssystem neu installiert hat, wichtige Dateien durch ältere Backup-Dateien ersetzt und sämtliche Passwörter verändert hat: Eine Menge Ärger durch einen übereilten Mausklick.
Die Hersteller von Virenschutz-Software geben die Verbreitung als "hoch" an, schätzen das Risiko aber dennoch als eher niedrig ein: Da Vote.A auf bekannten Sicherheitslücken aufsetzt, sei auch eine Abwehr des Virus entsprechend einfach.
Wenn man sich darum kümmert - und wenn man die grundlegenden Verhaltensmaßregeln im E-Mail-Verkehr beherzigt. Natürlich sollte man einen Dateianhang mit einer "exe"-Endung, von dem man nicht weiß, was er enthält, niemals öffnen.
Das gilt auch und gerade, wenn die betreffende E-Mail scheinbar von einem Bekannten, Kollegen oder Geschäftspartner kommt, der plötzlich in fremden Zungen redet:
"Hi
iS iT A waR Against AmeriCa Or IsLaM !?
Let's Vote To Live in Peace!"
Diese E-Mail kommt mit der Betreffzeile "Fwd: Peace BeTweeN AmeriCa and IsLaM!" daher - und gehört umgehend entsorgt. Wenige Stunden nach Bekanntwerden des Virus am 24. September boten die meisten Entwickler Patches gegen das Virus an.