Virus "Miss World" geht um
Und wieder will irgendein Kindskopf da draußen berühmt werden: Seit wahrscheinlich zwei Tagen verbreitet sich "Miss World", der neueste Abkömmling der E-Mail-Würmer nach dem "I love You"-Muster.
Das wird langsam langweilig, und das muss wohl auch dem Programmierer klar gewesen sein: Immerhin würzt er sein Virus mit witzigen Details.
Die Mail
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Betreffzeile: Miss World
Text: Hi, Enjoy the latest pictures of Miss World from various Country
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Und tatsächlich bekommt man Bikinis zu sehen, obwohl die Kandidatinnen bei der Endausscheidung wohl eher geringe Chancen hätten. "Miss UK" etwa ziert der Schädel von Mr. Bean, und auch Miss Afrika mit Gorillakopf hat man so noch nicht gesehen.
Über die Qualität dieses Humors lässt sich allerdings nur so lange streiten, bis das Flash-Applet zu seinem Ende gekommen ist: Im Hintergrund nutzt das ebenfalls in der "exe" verborgene VBS-Skript die Zeit, das Virus zu vervielfältigen und an die Adressen im Outlook-Adressbuch zu versenden.
Doch damit nicht genug: Die merklich zahnloser werdenden VBS-Viren, vor denen sich zum Glück immer mehr User effektiv schützen, zeigen in den letzten Monaten die Tendenz, wieder mehr Schäden verursachen zu wollen. So versucht "Miss World" unter anderem, wichtige Systemdateien zu löschen.
Das gelingt dem Virus nicht, da Windows den direkten löschenden Zugriff erst gar nicht zulässt: Gelöscht werden allenfalls Kopien.
Erfolgreicher verewigt sich das Virus in der Autoexec.bat, was im Falle des PC-Neustarts die Formatierung der Festplatte C einleitet. Folgerichtig verbinden die Virenschutz-Softwarehersteller Sophos und Symantec in ihrem Fazit zur Gefährlichkeit des neuen Virus die Einschätzung einer eher geringen Bedrohung - die meisten User fallen auf VBS-Würmer nicht mehr herein - mit der Warnung vor erheblichen Schäden: Wenn es tatsächlich jemanden erwischt, wird der das so schnell wohl nicht vergessen.
- Virenschutz:Sophos
- Symantec
- Aktuelle Virenwarnungen von Trend Micro
- Aktuelle Virenwarnungen von McAffee
Fazit
Vorsicht ist also durchaus geboten, "Miss World" E-Mails sollten direkt gelöscht werden. Usern, die bereits in den Genuss der dämlichen Dia-Show gekommen sind, seien (vor dem Reboot!) die Seiten der Virenschützer empfohlen (siehe Link-Kasten). Dort finden sich Updates zu den aktuellen Schutzprogrammen, die in der Lage sind, "Miss World" aus dem System zu entfernen.
"Handwerker" können dies auch selbst erledigen:
- Mit einem Explorer- oder Commander-Programm alle Dateien heraussuchen, die Namensbestandteile von W32.MsWorld@mm enthalten und diese löschen.
- Mit einem Editor die Autoexec.bat öffnen und die Zeile "format c: /q/autotest" herauslöschen.
Das sollte reichen. Einen aktualisierten Virenscan über das System laufen zu lassen, ist trotz allem anzuraten.
Das ultimative Rezept gegen solche Viren ist und bleibt jedoch die Grundregel, solche "Lockmails", die "exe", "com" oder "vbs"-Dateianhänge enthalten, prinzipiell nicht zu öffnen und stattdessen zu löschen. Eine Regel, die sich augenscheinlich endlich herumspricht: Bisher ist kein Fall eines befallenen Firmennetzes bekannt geworden.
Das Virus hat eine "mittlere" Verbreitung, bisher aber kaum Schäden verursacht. Wenn das so bleibt, hat sich der Autor tatsächlich in die Geschichte der Internet-Viren geschrieben: Mit einem signifikant erfolglosen Versuch, mit einer Lockmail, die unter der Gürtellinie operiert, eine Virenattacke zu starten. Bleibt noch zu hoffen, dass sich auch unter den Spinnern, die solchen Unsinn in die Welt setzen, endlich herumspricht, dass die Zeit der VBS-Viren endgültig vorbei ist.