Volkswagens "Phaeton"-Seite: Panoramafenster mit Aussicht - DER SPIEGEL
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Volkswagens "Phaeton"-Seite Panoramafenster mit Aussicht

Transparenz total könnte der Leitspruch hinter Volkswagens "Gläserner Manufaktur" in Dresden lauten. Klar, dass die dazugehörige Website dem nicht nachstehen darf - und die Wolfsburger liefern mit animierten Panoramafenstern gleich eine Internet-Weltpremiere.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer Volkswagen heißt und ein Luxusauto wie den Phaeton baut, der hat ein Problem. Technisch trauen wir den Wolfsburgern das schon zu, aber ist der VW nicht unser aller Auto? Sind wir nicht mit dem Käfer nach Italien gefahren, mit dem Golf groß geworden und jagen wir jetzt nicht unsere Kinder im Passat-Kombi über die Autobahn? Und dann ein VW nur für die "da oben"?

"Volkswagen ist eine demokratische Marke", fasst Andreas Roeren, Leiter Markenmanagement bei VW das Problem mit dem Image-Bruch zusammen - und mit der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat er es auch schon gelöst: Wir dürfen gemeinsam zugucken, wie der Phaeton in Hand- und Roboterarbeit zusammengeschraubt wird.

Noch vor der Publikumsöffnung des Dresdner Glashauses ist jetzt die entsprechende Website online gegangen. Unter www.glaesernemanufaktur.de kann sich das Volk die Fortsetzung der gläsernen Produktion mit anderen Mitteln anschauen: Unter Einsatz von Flash und Shockwave hat die Frankfurter Multimediaagentur ActiveFilm.com eine Site auf die Beine gestellt, die den Anspruch von Volkswagen an Hightech und Transparenz demonstrieren soll.

Auf den ersten Blick

...haben die Frankfurter eine ganz ordentliche, aber nicht besonders spektakuläre Site auf die Beine gestellt: Solides Flash-Design mit einer durchdachten Navigation bietet den Zugriff auf Marketing-Informationen über das Auto, die Produktionsstätte und den Standort Dresden. Ein paar Gimmicks unterstreichen den Anspruch an Transparenz: Wer sich den Fertigungsprozess näher erklären lässt, kann bei der Lackprüfung und der Motoren-Fertigungskontrolle selbst Hand anlegen und zum Beispiel mit einem in Flash simulierten Endoskop in einen Motor hineinschauen und selbst gucken, ob jeder Grat sorgfältig weggefeilt wurde. Um alle Phateon-Käufer zu beruhigen: Es ist natürlich kein Grat zu sehen.

Pflicht gelaufen, es folgt die Kür

Spannend wird es plötzlich, wenn man die Panoramaansichten der Manufaktur aufruft: Im Stile der bereits seit Jahren bekannten 360 Grad-Rundumansichten öffnet sich ein Browserfenster, in dem man mit der Maus navigieren und sich quasi im Raum umschauen kann. Das ist ein bisschen so, als stünde man mitten in der Fertigungshalle und würde sich um die eigene Achse drehen.

Wer vor Langeweile wegklickt, ist allerdings zu schnell: Da hinten bewegt sich nämlich was. Ein Roboter setzt eine Windschutzscheibe in ein Fahrzeug ein, dreht die Karosserie herum und holt sich eine neue Scheibe. Man kann nicht nur näher heranzoomen, sondern sich auch umdrehen und schauen, was die anderen Maschinen gerade so treiben. Das ist eine Premiere in Internet. Bisher waren Rundumansichten immer statische Momentaufnahmen, Panoramafotos eben. Das hier aber ist wie ein Film, in dem man sich um 360 Grad um sich selber drehen kann.

Der Effekt ist gut, aber live ist so was natürlich nicht - noch nicht einmal Video: "Wir haben wie bei herkömmlichen Internet-Panoramen zunächst eine Reihe von Fotos mit einer Digitalkamera auf einem Drehteller gemacht und die Bilder zu einem Panorama zusammengefügt" erklärt Ralph Sonntag, als Director Business Development verantwortlich für die VW-Site. "Anschließend aber - und das ist das Besondere - wurden die Roboter und Autos in den einzelnen Schritten ihrer Bewegung fotografiert." Die Programmierer bei ActiveFilm.com haben die Aufnahmen dann wie in einer Trickfilm-Animation hintereinander montiert und an die richtigen Stellen ins Panorama eingesetzt.

Das Verfahren nennen die Macher "activepano" und es funktioniert nur mit einer Internet-Software, die eine so komplexe Programmierung erlaubt - die herkömmlicherweise für Panoramen genutzte Quicktime-Technologie wäre damit überfordert. ActiveFilm.com hat daher auf Director Shockwave gesetzt - eine Software, die eigentlich für aufwendige CD-Rom Programmierung genutzt wird. Internettauglich wird das Ganze durch ein Plug-in, das sich die neugierigen Besucher in der Regel erst mal herunterladen müssen - was bei Modemnutzern länger dauern kann: Das Shockwave-Plug-in ist etwa 3,5 Megabyte groß.

Bei Betrachten der activepanos wartet man unwillkürlich darauf, dass endlich ein Mitarbeiter durchs Bild läuft - Volkswagen hat den Dresdnern schließlich 800 Arbeitsplätze versprochen. Kommt aber keiner, das Ganze ist ja auch nur eine am Computer zusammengesetzte Animation. Und darüber hinaus: Es soll auch gar keiner kommen. "Technisch wäre es durchaus möglich gewesen, Live-Video-Panoramen ins Internet zu stellen" erzählt Ralph Sonntag. "Dies natürlich mit eingeschränkter Qualität."

So was wäre natürlich der Idee der Gläsernen Manufaktur am nächsten gekommen, geht aber auch aus rechtlichen Gründen nicht. Dann nämlich wäre aus dem Glashaus ein großer Big-Brother-Container geworden - mit 800 VW-Beschäftigten unter Dauerbeobachtung im Internet. Und das "demokratische" Image der Marke Volkswagen hätte dann doch ein paar Kratzer abkriegen können.