Vom Mail- zum Telefonterror Spam, Spim, Spit
Paranoia schüren - das gehört unter Sicherheitsfirmen zum guten Ton und ist häufig Teil des Marketingkonzepts. Dies weiß auch der amerikanische Voice-over-IP-Spezialist Qovia und warnt vor einer neuen Gefahr, die angeblich die Spam-geplagten Surfer bedroht.
Spit oder VoIP Spam nennen die Internettelefonie-Experten ungewollte Anrufe, die Werbeunternehmen schon bald über das Netz starten könnten. Spit, so die These, könnte der Nachfolger von unerwünschter Werbung per E-Mail (Spam) und Instant Messenger (Spim) werden.
"Mit der zunehmenden Nutzung von Voice over IP in Privathaushalten ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Spammer hier die kritische Masse erreicht sehen", sagte Qovia-Marketingleiter Pierce Reid. Prognosen besagten, dass bis zum Jahr 2008 jeder dritte Haushalt in den USA über Internet telefoniere.
Voice-Spammer könnten, so Reid, über Internet gleichzeitig Tausende Anschlüsse mit ihren Sprachnachrichten überfluten. Seine Firma habe in einer Simulation gezeigt, dass ein entsprechend programmierter Computer 1000 Sprachnachrichten pro Minute absetzen kann, berichtet das Magazin "New Scientist".
Wer Ängste vor Spit schürt, sollte natürlich auch ein Gegenkonzept in petto haben. Das Heilmittel der Firma Qovia heißt "System and Method for Broadcasting VoIP Messages". Die Anti-Spit-Technik wurde im Juni zum Patent angemeldet und soll Voice-over-IP-Anwendungen überwachen und so den Missbrauch der Internettelefonie verhindern. Angeblich erkennt das System unerwünschte Sprachnachrichten anhand der Frequenz und ihrer Länge.
Winn Schwartau, der als IT-Sicherheitsberater für eine Firma in Florida arbeitet, sagte: "VoIP Spam muss gestoppt werden, bevor er beginnt." Verteilte Denial-of-Service-Angriffe könnten Tausende Internettelefonanschlüsse dauerhaft blockieren.
Als mögliches Gegenkonzept empfiehlt Schwartau einen vertrauenswürdigen Dritten, bei dem sich private Internettelefonierer mit Anschrift und Telefonnummer registrieren. Der Dienstleister würde dann sämtliche Anrufe digital signieren, IP-Telefone könnten unsignierte Gesprächsanfragen ablehnen.
Nicht betroffen von so einer denkbaren Sicherheitslücke wären Systeme, die mit geschlossenen Benutzergruppen arbeiten. Diverse Conferencing- und IP-Telefoniesysteme erlauben es, vorab festzulegen, von wem man angerufen werden kann - und von wem nicht.