Vorsicht Dieses Huhn schießt zurück!
Das Moorhuhn, finden Millionen Begeisterte, ist eine lustige Sache. "CIH" hingegen ganz und gar nicht. Das Virus aktiviert sich am 26. eines Monats, "frisst" Teile der Einträge des Flash-BIOS-Chips (und beraubt den Rechner so seines "Stammhirnes") und überschreibt den größten Teil der Festplatte. Der Rechner kann danach nicht mehr gestartet werden, aufwendige Reparaturen (Austausch des BIOS, Neuformatierung der Platte) werden notwendig. Nun soll eine CIH-verseuchte Version des Moorhuhnspiels kursieren, wie zuerst die Zeitschrift "PC Welt" meldete.
So weit, so schlecht. Es besteht Grund zur Sorge. Die gute Nachricht ist jedoch, dass CIH ein alter Bekannter ist. Das Virus, das über Raubkopien, als per E-Mail verschickte "exe"-Datei und über das Internet als "maskierte" Programmdatei verteilt wird, tauchte erstmals im Juni 1998 auf - und verursachte Schäden in Millionenhöhe. Als CIH am 26. April 1998, dem Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, nach der es auch benannt ist, zuschlug, fegte es weltweit Festplatten leer. Im ersten Jahr waren angeblich hunderttausende Rechner betroffen, verlässliche Zahlen gibt es nicht. Asien wurde besonders hart getroffen: Hier hat das Virus auch seinen Ursprung. Im Jahr 1999 legte CIH indirekt fast alle Firmenrechner in Sri Lanka lahm - weil als Vorsichtsmaßnahme verordnet worden war, die Maschinen erst gar nicht anzuschalten.
Doch längst wird CIH von den gängigen Virenschutzprogrammen erkannt. Tückisch bleibt vor allem eine der bisher vier bekannten Varianten, die sich als E-Mail-Wurm verbreitet. Um welche Version des Virus es sich handelt, ist bisher nicht bekannt.
Potenziell gefährlich sind nur Moorhuhn-Dateien, die per E-Mail verteilt wurden. Die "PC-Welt" nennt als "Keimzelle" des Virus die Datei "JWJAGD.EXE". Wer diese Datei auf seinem Rechner vorliegen habe, sollte unbedingt einen Virenscan durchführen.
Eine Verhaltensmaßregel, die sich gerade Internet-Surfer sowieso zur Angewohnheit machen sollten. Erst gar nicht in Gefahr gerät, wer die Annahme unverlangt zugesandter E-Mails mit "exe"-Attachments grundsätzlich verweigert und diese sofort löscht. Sichere Versionen des Moorhuhn-Spiels sind auf den Seiten von Moorhuhnjagd.de und von Phenomedia zu bekommen.
Was tun, wenn der Rechner infiziert ist?
Ist der Rechner tatsächlich mit CIH infiziert, sollte man schnellstmöglichst ein gutes, aktuelles Virenprogramm über die Festplatte(n) laufen lassen. Gute Virenschutzprogramme identifizieren den Übeltäter nicht nur, sie vernichten ihn auch. Testversionen bieten die Marktführer (Symantex , Network Associates , F-Secure , Trend Micro und andere) kostenlos an, eine Virenschutz-Lizenz kann aber nie schaden: Schutzprogramme sollten zur Grundausstattung eines jeden Rechners gehören.
Die Verteilung des Moorhuhnspiels via E-Mail ist im übrigen nicht sinnvoll. Sowohl das Verschicken, als auch der Empfang der E-Mail kostet Zeit und damit - wenn man über einen privaten Rechner surft - auch Geld. Wer das Kultspiel Freunden empfehlen will, sollte einfach eine Mail mit der Adresse einer der beglaubigten Downloadseiten verschicken. Der Empfänger entscheidet dann selbst, ob er sich das Spiel herunterladen will, ohne dabei Gefahr zu laufen, sich einen Virus zu fangen.
Frank Patalong