"Wallet Office": Handy-PC statt Smartphone? - DER SPIEGEL
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"Wallet Office" Handy-PC statt Smartphone?

Hans Constin aus Berlin spielt mit einem PDA und schüttelt den Kopf: Wenn mobile Endgeräte für die Internetnutzung noch kein Verkaufsschlager sind, dann liegt das in erster Linie an ihrer reichlich umständlichen Bedienung. Bereits vor sieben Jahren hat Constin den "Handy-PC" erfunden. Ist der Markt reif für ein neues Konzept?
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Wer von seinem heimischen PC auf einen PDA oder ein Smartphone für mobile Anwendungen umsteigt, der betritt eine völlig andere Welt. Nichts von der fast schlafwandlerischen Sicherheit bei der Nutzung von PC-Anwendungen lässt sich auf diese neuartigen mobilen Endgeräte übertragen. Einzig Nokia versucht mit seinem Communicator eine Fusion von Laptop-Feeling und Mobiltelefon. Ein Jahr vor der Präsentation des ersten Communicator haben sich die Finnen Hans Constins Produktidee angeschaut. Ob man auch abgeschaut hat, lässt sich heute kaum klären.

Constin möchte mit seinem "Wallet Office" eine neue Geräteklasse definieren: "Wir haben da wirklich um jeden Millimeter gekämpft und das Ergebnis ist ein Gerät mit dem Formfaktor eines Handys. Die Fläche ist gleich, nur etwas dicker und schwerer ist es geworden."

Auf dem Deckel sind alle Handyelemente mitsamt Display versammelt, aufgeklappt findet man einen Farb-TFT im Landscape-VGA-Format, der immerhin 640 x 240 Pixel anzeigen kann sowie eine vollwertige PC-Tastatur, die einem "Psion" zur Ehre gereichen würde. Durch die Trennung von PC- und Handyfunktionalität erreicht das "Wallet Office" als Mobiltelefon handelsübliche Gesprächs- und Standby-Zeiten. Die Mustergeräte laufen mit Windows CE als Betriebssystem, könnten aber ebenso gut mit Symbian oder Linux betrieben werden. Der entscheidende Vorzug aber: Jeder PC-Anwender kann ohne große Eingewöhnung einfach mit dem "Wallet Office" arbeiten und dank GPRS auch mobil jederzeit online gehen.

Ein internationaler Entwicklungsdienstleister nimmt sich nun des Gerätekonzeptes an, um es für die Serienproduktion vorzubereiten. Etablierte Handyhersteller haben sich das Konzept angesehen, genickt, geprüft und letztlich abgelehnt.

Augenscheinlich hat man die Firma Constin-Design, deren Kernkompetenz in der Kunststoff-Gehäuseentwicklung liegt, nicht ernst genommen. Doch bei genauem Hinschauen muss man erkennen, dass der Markt der PC- und der Handyhersteller strikt voneinander getrennt ist. Sogar Firmen, die in beiden Welten zu Hause sind, rühren diese Trennlinie nur ungern an. Die großen Handyhersteller möchten wohl verhindern, nur noch zum Zulieferer der PC-Industrie zu werden.

Wenn das Gerät als seriennahes Produktionsmuster auf dem Tisch liegt, sind die Mobilfunkanbieter gefragt. "Mich überrascht, dass es nach meinem Kenntnisstand keine Untersuchungen darüber gibt, wie die Gerätehandhabung sich auf die Nutzung mobiler Dienste auswirkt", wundert sich Hans Constin, "Je unproblematischer die Nutzung der Geräte vonstatten geht, desto mehr Datenvolumen können die Mobilfunkanbieter verkaufen."

Dass diese Rechnung aufgeht, daran glaubt nicht nur Constin, sondern auch Texas-Instruments. Dort entwickelt man neue Chipsätze, die rechnen und funken können. Bei Smartphones ließe sich nicht nur der Bauteilaufwand von derzeit 180 auf nur 25 Bauteile reduzieren, sondern auch Platz und Kosten sparen. Die technische Trennung von PC und Handy hat ausgedient.

Mario Gongolsky