Web-basierte E-Mail Guten Morgen, Ihre Post ist weg!
Web-Mail, eine feine Sache. Weltweit jederzeit Zugriff auf seine Mails bekommen zu können, ohne Verbindung zum eigenen Provider suchen zu müssen - daran haben sich Millionen von Surfern gewöhnt. Für die Betreiber großer Websites ist Web-Mail zu einem Instrument geworden, Kunden zu finden und sie zu binden.
Doch "Post" funktioniert nur, wenn man dem Service auch vertrauen kann. Gerade Microsofts Hotmail kam in den letzten Jahren immer wieder ins Gerede: Der Dienst habe Probleme mit Datensicherheit. Eine Hacking-Attacke Anfang letzten Jahres bestätigte die Skeptiker: Unbekannte lasen die Kundendaten von Hotmail-Usern, die sich seitdem über ein stets wohl gefülltes Postfach freuen dürfen - Spam ohne Ende.
Und da hört das Risiko nicht auf, wie ZDnet-Nutzer in England und Australien jetzt erfahren mussten. Letzte Woche stellte ZDnet seinen Mailservice einfach ein, weil das Unternehmen sich mit den Dienstleistungsfirmen, die das Mailprogramm betreuten, überworfen hatte. Alle Daten, die von den Nutzern auf den ZDnet-Servern hinterlegt worden waren - Mails, Adressbücher, zwischengelagerte Daten - verschwanden im digitalen Nirwana. Erst am Freitag erbarmte sich ZDnet, die eigene Kundschaft von der Einstellung des Service in Kenntnis zu setzen.
Ein Einzelfall?
Sicherlich. Möglich wäre er allerdings überall. Die bei weitem meisten Anbieter kostenloser Web-Mail-Dienste übernehmen keinerlei Garantie oder Haftung für deren Funktionieren oder Fortbestand. Wer sich ausschließlich auf sie verlässt, ist unter Umständen verlassen.
So heißt es beispielsweise in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Microsofts Hotmail: "Microsoft behält sich das Recht vor, die der Website und den Diensten von MSN zu Grunde liegenden Bestimmungen und Hinweise zu ändern. Es liegt in Ihrer Verantwortung, regelmäßig die Nutzungsbedingungen und Zusatzbedingungen zu überprüfen. Wenn Sie die Websites oder Dienste von MSN fortlaufend nutzen, wird Ihre Zustimmung zu diesen Bestimmungen und Hinweisen vorausgesetzt."
So viel zum Thema Mitteilungspflicht, doch damit nicht genug: "MICROSOFT UND/ODER DEREN LIEFERANTEN ÜBERNEHMEN KEINERLEI ZUSICHERUNGEN ODER GEWÄHRLEISTUNGEN HINSICHTLICH EIGNUNG, ZUVERLÄSSIGKEIT, VERFÜGBARKEIT, PÜNKTLICHKEIT UND GENAUIGKEIT DES DIENSTES FÜR IRGENDEINEN ZWECK", heißt es in schönen großen Buchstaben.
Eine Haftungseinschränkung, die Hotmail - einen anderen Aspekt betreffend - noch einmal locker überbietet: "Microsoft haftet nicht für Verluste, die Ihnen daraus entstehen, dass Dritte Ihr Kennwort oder Konto (mit oder ohne Ihre Kenntnis) nutzen. Sie können jedoch für Verluste zur Verantwortung gezogen werden, die Microsoft oder einer anderen Partei entstehen, weil Dritte Ihr Konto oder Kennwort verwenden."
Wumm. Damit wären wohl alle Eventualitäten abgedeckt und nicht unbedingt zum Vorteil des Kunden. Im Klartext heißt das: Sollten die Kundendaten wie Logins und Passwörter in Hackerhand geraten (was, wie bereits gesehen, so unwahrscheinlich nicht ist) und dieser damit Schaden verursachen, könnte Hotmail dafür den Kunden haftbar machen.
Kein Einzelfall
Das gleiche Bild bei Excite: Auch hier ist im Zweifelsfall der Kunde für alles, der Dienstleister für kaum etwas haftbar zu machen. Das gilt, wie bei ZDnet und Hotmail, auch für die Verfügbarkeit: "Wir können unsere Dienste oder Ihr Konto bei uns mit oder ohne Mitteilung verändern oder beenden, ohne Ihnen, einem anderen Benutzer oder einer dritten Partei gegenüber dafür zu haften."
Datensicherheit wird ebenfalls nicht garantiert, im Gegenteil: Excite behält sich gar das Recht vor, Einblick in die Konten der Kunden zu nehmen. Wörtlich heißt es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen: "...müssen Sie sich damit einverstanden erklären, dass Mitarbeiter von Excite in einzelnen Fällen auf Ihr Konto und die Nachrichten zugreifen können, um Beschwerden, sonstigen Behauptungen oder möglichem Missbrauch nachgehen zu können."
Das ist nur logisch, denn natürlich bieten sich die mehr oder minder "anonymen" Accounts an, um allerlei Schindluder zu treiben. Dementsprechend verpflichten alle Anbieter ihre Nutzer zu wahrheitsgemäßen Angaben. Wozu sie sich nicht verpflichten, ist dagegen eine verlässliche Dienstleistung: "Excite trägt keinerlei Verantwortung dafür, wenn Kommunikation oder persönliche Einstellungen des Benutzers nicht rechtzeitig verfügbar sind, gelöscht, falsch ausgeliefert oder nicht gespeichert werden."
Moderater klingt all das beim deutschen Anbieter GMX, der zudem als relativ sicher und nahezu "Spam-frei" gilt: "Generell besteht kein Anspruch auf die ständige Verfügbarkeit von GMX. Sollte das System aus Gründen, die GMX AG nicht zu vertreten hat, oder aus wartungstechnischen Gründen nicht oder nicht mit dem vollen Leistungsumfang verfügbar sein, so haftet GMX AG nicht für Schäden oder Folgeschäden, die einem Benutzer daraus entstehen können." Natürlich nicht.
Was bleibt somit unter dem Strich? Dass man geschenkten Gäulen vielleicht nicht ins Maul schauen sollte. Ein Ersatzpferd dabei zu haben, bevor man auf die Reise geht, kann wiederum aber auch nicht schaden.
Web-Mail ist eine tolle Sache - für alles, was nicht wirklich wichtig ist. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von GMX drücken das so aus: "Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich das Internet generell nicht für den Transport hochsensibler und sehr vertraulicher Informationen eignet." "Solange", heißt es weiter, "der Sender nicht selbst für eine angemessene Datensicherheit sorgt".
Frank Patalong