Windows 2000 Mehrere zehntausend Fehler
Am 17. Februar soll es - nach langem Warten und vielen Verzögerungen - so weit sein: Microsoft geht mit seinem neuen Betriebssystem Windows 2000 offiziell an den Start. Für die Entwickler des Softwarepakets dürfte der Verkaufsstart jedoch alles andere als ein Grund zum Jubeln sein.
Denn im Quellcode der aktuellen Windows-2000-Version befinden sich, wie ZDNet meldet , "zehntausende von Bugs". Der Internet-Dienst beruft sich dabei auf ein internes Microsoft-Papier, das jetzt an die Öffentlichkeit gekommen sein soll.
"Unsere Kunden wollen kein Produkt mit mehr als 63.000 bekannten Problemen. Sie wollen, dass diese Fehler korrigiert werden", schreibt Windows-Entwicklungschef Marc Lucovsky an seine Programmierer. "Wie viele von Ihnen würden 500 Dollar für ein Stück Software ausgeben, das 63.000 mögliche Fehler aufweist?"
Laut ZDNet listet das Microsoft-Memo unterschiedliche Arten von Problemen auf. Demnach enthält der Windows-2000-Quellcode
- mehr als 21.000 erst einmal "zurückgestellte" Bugs, die später behoben werden sollen. Darunter sollen eine ganze Reihe "ernster Probleme" sein.
- mehr als 27.000 "BugBug-Kommentare": Darunter versteht Microsoft offensichtlich Hinweise an Programmierer, dass bestimmte Eigenschaften der Software besser oder effizienter werden sollen. Auch deuten solche Kommentare laut Microsoft auf "unfertige Arbeit" und "verdrängte Probleme" hin.
- im ganzen mehr als 65.000 "mögliche Stellen", aus denen sich Probleme ergeben könnten. Microsoft schätzt, dass es in 28.000 Fällen tatsächlich zu Fehlern kommen könnte.
"In der nächsten Version von Windows 2000 dürfen keine Bugs mehr enthalten sein", schreibt Lucovsky an seine Programmierer. "Das ist nur möglich, wenn Sie sich persönlich dafür einsetzen, dass alle Fehler auch behoben werden."
Eine Microsoft-Sprecherin versucht gegenüber ZDNet zu beruhigen: "Jede Software hat Fehler. Das gehört zu einem Programm einfach dazu." In der Geschichte von Microsoft sei kein anderes Programm so ausführlich getestet worden wie Windows 2000 - sowohl intern als auch extern.
Rund 750.000 Software-Tester hätten, so die Sprecherin, jede Beta-Version des neuen Betriebssystems unter die Lupe genommen. Hunderte von Firmen hätten Microsoft die "hohe Qualität und Zuverlässigkeit" der Software bescheinigt. Und ebenso viele Unternehmen setzten das Betriebssystem bereits im Alltag ein.
Ein Software-Entwickler bestätigt dies: "Dass Microsoft so viele Bugs entdeckt hat, macht für mich lediglich deutlich, wie aufwendig und genau die Software getestet wurde", sagte ein Programmierer gegenüber ZDNet. Auch andere Programme hätten mit zahlreichen Fehlern zu kämpfen, nur würden die Softwarefirmen darüber meist nicht reden.
Beratungsfirmen sehen das offensichtlich anders. So hat am Wochenende die Gartner Group erneut vor dem Einsatz von Windows 2000 gewarnt: Bei einem Viertel aller Anwender soll das Betriebssystem Probleme auslösen.
Vor allem die Kompatibilität mit älteren Anwendungen sei in vielen Fällen nicht gewährleistet. Statt sofort am 17. Februar die neue Software zu kaufen, sollten Kunden besser einige Monate warten, bis eine verbesserte und stabilere Version oder zumindest die ersten Service Packs auf dem Markt seien.