Windows XP Der Aktivierungscode ist geknackt
Berlin - Prinzipiell gibt es bei der von Microsoft vorgesehenen Zwangsaktivierung für das kommende Betriebssystem Windows XP zwei Wege. Entweder online oder per Telefon muss sich der Nutzer bei der Softwarefirma registrieren lassen, sonst versagt das neu gekaufte Programm nach dem 50. Start seinen Dienst. Von dieser rigiden Maßnahme verspricht sich Microsoft eine Eindämmung der Softwarepiraterie.
Eine wichtige Rolle bei der Registrierungsprozedur, egal ob online oder per Telefon, spielt die so genannte Produkt ID, die der Nutzer an Microsoft übermitteln muss. Über ihre genaue Zusammensetzung war bislang wenig bekannt, da sich Microsoft darüber in Schweigen hüllte. Klar war nur, dass eine Seriennummer der Softwarekopie und Informationen über die im verwendeten Computer installierte Hardware in die Berechnung dieser Identifikationsnummer einfließen.
Kritiker hatten - bestärkt nicht zuletzt durch Microsofts dünne Informationspolitik - geargwöhnt, dass mit Hilfe der Produkt ID private Informationen der Nutzer ausgespäht werden sollten. Der Softwarekonzern hatte entgegengehalten, durch die Berücksichtigung der verwendeten Hardware-Konfiguration wolle man lediglich verhindern, dass eine Softwarekopie auf mehreren verschiedenen Rechnern genutzt werde.
Die Berliner Internetfirma Fully Licensed hat nun nach eigenen Angaben das Prinzip entschlüsselt, nach dem die Product ID aufgebaut ist. Und teilweise geben die Software-Entwickler um Geschäftsführer Thomas Lopatic Entwarnung. Nach ihren Analysen werden zwar für die Berechnung der Identifikationsnummer neben der Seriennummer der Software auch zehn Hardware-Merkmale ausgewertet, Rückschlüsse auf die im Computer verwendeten Teile erlaubt die ID angeblich trotzdem nicht. Wichtige private Daten werden also nicht weitergegeben.
Da nur ein geringer Bruchteil der verfügbaren Hardwareinformationen überhaupt in die Berechnung der Identifikationsnummer einfließe, sei es nicht mehr möglich daraus im Umkehrschluss die verwendeten Komponenten zu ermitteln, heißt es in einem Papier der Softwarefirma. Demnach können außerdem bis zu drei Hardwarekomponenten ausgetauscht werden, bevor Windows XP auf einer neuen Registrierung bei Microsoft besteht. "Typische Hardwareupdates" seien weiterhin möglich, erklärt Fully Licensed in einer Pressemitteilung. "Erst nach einer Änderung von mehr als drei der zehn berücksichtigten Hardwaremerkmale - beispielsweise durch Austausch der Festplatte, des CD-Rom-Laufwerks und des Mikroprozessors sowie der Aufrüstung des Hauptspeichers - ist eine erneute Aktivierung erforderlich", sagt Lopatic.
Und diese erneute Aktivierung soll nach Angaben von Microsoft problemlos möglich sein. Ist also Entwarnung angesagt in der hitzig geführten Diskussion um das Ausspähen von privaten Daten durch Microsoft? Offenbar ist es dafür noch zu früh. Denn nach Analysen, etwa von der Computerzeitschrift "c't", werden bei der Online-Registrierung außer der Produkt ID noch massenweise andere Daten verschlüsselt an Microsoft übertragen, von denen niemand weiß, was sie eigentlich enthalten. Also immer noch Raum genug für Verdächtigungen, zumal sich Microsoft mit Äußerungen zum Registrierungsverfahren noch immer zurückhält.