WM im TV: Eine Kamera pro Spieler - DER SPIEGEL
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WM im TV Eine Kamera pro Spieler

Die Fußballweltmeisterschaft wird auch für die Fernsehtechniker eine Materialschlacht gigantischen Ausmaßes. Für die Übertragungen werden Hunderte Kilometer Kabel und Hunderte Tonnen Ausrüstung gebraucht - und eine Menge Holz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unmittelbar vor Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft herrscht im Computer- und Fernsehzentrum der Fifa reger Betrieb. Aus den Hallen des "International Broadcast Centers" (IBC) gehen die Fernsehbilder von den 64 WM-Spielen in alle Welt. Außerdem ist hier das "IT Command Center" der FIFA untergebracht, das sich um die digitale Kommunikation zwischen den elf WM-Stadien und den FIFA-Funktionären kümmert.

Bei jedem Spiel sind 25 Kameras im Einsatz, die das Geschehen auf dem Rasen wie auf den Zuschauerrängen einfangen und ins IBC übertragen. Jeweils eine Kamera ist nur auf die Spieler einer der beiden Mannschaften gerichtet. Die Bilder des Schweizer Fernsehdienstleisters Host Broadcast Services (HBS) werden an die mehr als 100 Sender aus aller Welt weitergeleitet, die im IBC untergebracht sind. In den Studios der Sender werden die HBS-Bilder mit den Kommentaren der eigenen Reporter verbunden, ehe sie in die Wohnzimmer übertragen werden.

Vor vier Jahren hätten, addiere man alle Zuschauer alle Spiele, insgesamt 29 Milliarden Menschen WM-Spiele gesehen, sagt HBS-Sprecherin Nicola Taylor bei einem Rundgang durch das IBC. "In diesem Jahr erwarten wir 32 Milliarden." Während eines Spiels verlassen 150 Bilderströme - die Fachleute sprechen von "Feeds" - das IBC in München. Davon sind bereits 24 in der HDTV-Technik für das hochauflösende Fernsehen, die zur WM in Deutschland nur vom Bezahlsender Premiere angeboten wird. Bis zur nächsten WM in Südafrika aber wird HDTV vermutlich Standard sein. Immer wichtiger werden auch die speziell aufbereiteten Bilder für das "Mobile TV" auf dem Handy.

Für die Übertragung der Bilder wurden im IBC auf 60.000 Quadratmetern technische Geräte mit einem Gewicht von 850 Tonnen installiert und Videokabel mit einer Gesamtlänge von mehr als 400 Kilometern verlegt. Während draußen endlich die Juni-Sonne scheint, werden die Senderäume zum Schutz der Technik auf 16 Grad gekühlt.

Attacken aufs Fifa-Netz

In Halle C3 des IBC befindet sich das "IT Command Center" der Fifa. Betrieben von T-Systems, dem Geschäftskundenbereich der Deutschen Telekom, und der Netztechnikfirma Avaya, überwacht dieses Zentrum die gesamte digitale Kommunikation zwischen den WM-Stadien und den Fifa-Funktionären. Hinter einer Glasscheibe sitzen 18 bis 20 Techniker, die den Datenfluss unter Kontrolle haben. "Wenn irgendeines der 40.000 angeschlossenen Computer, Handheld-Geräte und Internet-Telefone von einem Virus befallen wird, können wir das einzelne Gerät isolieren und abschalten", erklärt Avaya-Sprecher Roger Jones. Auch mögliche Angriffe auf das Fifa-Netz werden hier überwacht. "Beim Confederations Cup hatten wir eine Reihe von Attacken, aber keine einzige war erfolgreich", sagt Jones.

Die Hochleistungscomputer im IBC haben unvorstellbar große Datenmengen zu transportieren. Bei den Fernsehübertragungen fallen jede Sekunde 480 Gigabyte an Daten an, wie der Projektmanager von T-Systems, Rainer Müller, erklärt. Hinzu kommen 20 Gigabyte je Sekunde für das Datennetz der Fifa. Die Leitungen sind redundant ausgelegt - wenn eine Leitung ausfallen sollte, springt sofort eine andere ein. Bei jedem WM-Spiel sind allein von T-Systems etwa 130 Mitarbeiter im Einsatz. Sie sind ganz nah dran am WM-Geschehen, bekommen aber trotzdem kaum etwas mit. "Es gibt nur ganz wenige Kollegen, die in den Genuss kommen, das Spiel live zu sehen", sagt Müller.

Aber nicht nur High-Tech kommt für die WM zum Einsatz: Um die Studios und Arbeitsräume im IBC einzurichten, waren 40 Lastwagenladungen mit Kiefernholz nötig. Nach der WM wird alles wieder abgebaut, und die Holzplatten werden für den Bau von 60 Häusern verwendet.

Von Peter Zschunke, AP