WM-Vorbereitung: Poldi wird getunt - DER SPIEGEL
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WM-Vorbereitung Poldi wird getunt

"Trainer, ich kann nicht mehr!" - solche Sprüche können sich die deutschen Spieler sparen. Ein Blick auf den Laptop, und Klinsmann weiß, ob da einer hechelt oder mogelt. Telemetrie macht's möglich: Poldi und Co werden nonstop überwacht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Genf - Sich im Schongang durchs Training zu mogeln - das wird so leicht keinem Kicker der deutschen Nationalelf mehr gelingen. Denn im Genfer WM-Lager überwacht eine Hightech-Computeranlage im Stadion den Puls jedes Einzelnen. Noch während die Truppe von Bundestrainer Jürgen Klinsmann über den Rasen hechelt, kann Fitness-Spezialist Oliver Schmidtlein via Laptop am Spielfeldrand die Werte abfragen. Je nach Belastung ziehen die Trainer dann die Zügel an oder lassen die Nationalspieler etwas mehr durchschnaufen.

Auf knapp 1000 Quadratmetern hat die sportliche Leitung im Stade de Genève zudem einen Bereich mit modernsten Geräten für gezieltes Kraft- und Ausdauertraining ausstatten lassen. Der auf Rehabilitation spezialisierte Trainer Schmidtlein umschreibt seine Arbeit während der insgesamt neun Tage in der Schweiz so: "Auf Sardinien haben wir den Teppich gelegt, jetzt kommen die Möbel rein."

Auch sein Kollege Mark Verstegen, Chef des US-Trainingszentrums "Athletes Performance" aus Arizona, kleidet seine Ziele gern in blumige Worte. Wie bei Rennautos widme er sich derzeit dem "Tuning" der Sportler. Für Fußballer seien Explosivität, Stabilität und Flexibilität wichtiger als bloße Muskelberge, sagt er. "Wenn AMG einen Mercedes tunt, machen die das Auto durch Umbauten auch leichter und nicht schwerer." Sein Ziel sei es, "den besten Fußballer zu bauen".

Viele Spieler gehen gerne in den Kraftraum, wie Schmidtlein berichtet. "Etliche fragen danach. Wir müssen da eigentlich eher bremsen und lenken als antreiben." Schmidtleins Chef, Jürgen Klinsmann, hat wiederholt als Ziel ausgegeben, die deutsche Mannschaft müsse angesichts spielerischer Defizite wenigstens in punkto Fitness absolute Weltklasse sein. Das hat auch Schmidtlein verinnerlicht. "Wenn unsere Mittelfeldspieler mehr laufen können als Ronaldinho, dann sind wir zufrieden", sagt er scherzhaft.

Auch Verstegen, dessen Firma mittlerweile 40 Angestellte hat, gibt zu bedenken, dass mit Fitness allein niemand Weltmeister werde. "Sie ist aber ein wesentlicher Bestandteil auf dem Weg zum Erfolg und Voraussetzung, um Champion werden zu können." Verstegen und sein Team unterstützen die DFB-Fitnessexperten um Schmidtlein seit September 2004.

Torsten Holtz, AP

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