Xbox 360 im Test: Bildschirm-Zittern mit Gesause - DER SPIEGEL
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Xbox 360 im Test Bildschirm-Zittern mit Gesause

Mit seiner Xbox 360 bringt Microsoft heute die erste Spielkonsole der nächsten Generation auf den europäischen Markt. SPIEGEL ONLINE hat die Maschine, die mit hochauflösender grafischer Finesse, Sofa-Onlinespielen und viel mehr Rechenkraft lockt, über die Teststrecke gejagt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das erste, was einem auffällt, ist der Sound - nicht der Surround-Klang aus den Boxen, sondern das Fönen des Lüfters, das Gesause des Laufwerks. Die Xbox 360 von Microsoft klingt, na gut, nicht ganz wie der A380 von Airbus, aber verdammt laut ist sie jedenfalls. Microsoft will mit seiner neuen Konsole eine Medienzentrale fürs Wohnzimmer anbieten - aber als solche ist sie nur für Menschen geeignet, die ihre Medien entweder über Kopfhörer oder generell sehr laut genießen.

Dafür ist der Controller ein echtes Vergnügen, zumindest der drahtlose der Premium-360, die für 400 Euro in den Handel kommt (die abgespeckte Variante mit Kabelcontroller und ohne Festplatte kostet 300 Euro). Endlich auf dem Sofa sitzen ohne diese habituellen Armzuckungen, um das schon wieder eingeklemmte Kabel zwischen den Beinen herauszuzerren, kein "Vorsicht!", "Rrruck" und "Neeein!" mehr. Die Steuereinheit liegt gut in der Hand, sie ist weniger klobig und irgendwie aufgeräumter als die der alten Xbox - und in der Mitte ist ein Knopf, mit dem man die Konsole vom Sofa aus ein- und ausschalten kann. Videospiele sind endlich da angekommen, wo Fernseher in den Siebzigern schon waren.

Aber dann: die Grafik. Ja, das sieht toll aus, das muss man zugeben, sehr viel toller als auf bisherigen Konsolen jedenfalls. Nicht bei jedem Spiel sind die Unterschiede gewaltig, aber wenn bei der Spielumsetzung von Peter Jacksons "King Kong" ein Raubsaurier und jedermanns liebster Riesenaffe aufeinander losgehen, wenn bei "Need for Speed - Most Wanted" Boliden über herbstliche Landstraßen rasen, dann zittert der Flatscreen.

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Xbox 360: Die ersten Spiele

Den, und das ist der Haken, braucht man aber: Ohne einen High-Definition-Fernseher kann man die ganze grafische Pracht zwar noch ahnen, aber nicht mehr richtig sehen. Und ohne 16:9-Format laufen Spiele mit schwarzen Spielfilmbalken oben und unten. Immer noch besser als auf älteren Konsolen, aber eben auch nicht sensationell besser. Mit HD-Fernseher sieht das Bild dagegen aus, als habe man den Output eines hochgezüchteten Spiele-PCs auf einen 50-Zoll-Monitor in Maximalauflösung umgelenkt. Scharf eben.

Ein paar gute Spiele gibt es - aber noch keinen Sensationshit, kein "Zelda" oder "Metal Gear Solid".

Spiele toll, DVD okay, Fernsehen mies

Der Samsung-Testfernseher von SPIEGEL ONLINE kostet bei den günstigsten Anbietern im Augenblick gute 1000 Euro. Spiele sehen auf ihm toll aus, DVD-Filme okay, normales Fernsehen ziemlich mies: Die TV-Auflösung ist zu klein für den Bildschirm, also müssen sich mehrere Pixel zusammentun, um einen Fernsehbildpunkt darzustellen, was ein ziemlich körniges Bild ergibt.

Microsoft will mit seiner neuen Konsole neue Käufergruppen erschließen, das momentane Lieblingswort der ganzen Branche ist "Casual Gamer". Mama, Papa, Opa und Oma sollen jetzt auch Spaß an Videospielen haben, weil man ja an die Männer unter 30 auch nicht unbegrenzt Sachen verkaufen kann. Ob allerdings diese Gelegenheitsgamer bereit sind, zu einer Konsole für 400 Euro noch einen Fernseher für 1200, jede Woche neue Controllerbatterien für 4 Euro und ab und zu ein Spiel für 60 Euro zu kaufen, ist ungewiss.

Was sich die Zielgruppe außerdem endlich angewöhnen soll, ist online zu spielen. Erst dabei wird klar, welche Vision man bei Microsoft für die neue Konsolengeneration hat: die daddelnde Weltgemeinschaft, entspannt zurückgelehnt auf einem virtuellen globalen Sofa. Dass Onlinegames massentauglich sind, zeigen PC-Spiele wie "World of Warcraft" schon seit einiger Zeit - jetzt will Microsoft sie endgültig ins Wohnzimmer holen. Xbox Live heißt der Service, den es für die alte Konsole auch schon gab, der jetzt aber mitten im Zentrum des neuen Konzeptes steht.

Er funktioniert ganz einfach:

Lesen Sie im zweiten Teil: Surreales bei 280 km/h, Frankokanadier spielen Amerikaner - und unser Fazit ...

Dem Premiumbündel liegt ein Netzwerkkabel bei. Steckt man das in seinen DSL-Router, hängt die Konsole schon fast im Netz. Man muss nur noch mühselig mit dem Analog-Stick seinen Namen, seine Adresse, E-Mail, Passwort und Passwortfragenantwort buchstabieren und sich so bei Microsofts "Passport"-Identifikationssystem - und schon kann's losgehen. In verschiedenen Varianten, von denen die meisten Geld kosten.

Schließlich soll verdient werden, mit der Konsole an sich macht Microsoft Verlust, ungefähr 120 bis 130 Euro pro Stück schätzen Analysten. Das ist nichts Neues - nur soll diesmal nicht nur mit verkauften Spielen, sondern auch mit verkauften Bildchen für die Online-Persönlichkeit, verkauften Lackvarianten für virtuelle Autos und Ähnlichem richtig Geld verdient werden.

Surreale Erlebnisse mit dem Headset

Tatsächlich gelingt der Übergang von lokalem zu vernetztem Spielen fast unbemerkt - wer bei "Project Gotham Racing" auf "Online-Karriere" klickt, steht schon mit einem Bein auf der ersten Rennstrecke. Und kann dort innerhalb von Sekunden gegen zufällig zusammengestellte Gegner aus Columbus, Ohio oder Toronto, Kanada und demnächst vielleicht auch aus Pasing bei München antreten. Über ein (wieder nur der Premium-Edition) beiliegendes Headset, das einfach in den Controller gestöpselt wird, kann man sich auch mit seinen Kontrahenten unterhalten - was nicht immer wirklich gut funktioniert, dann aber zu wahrhaft surrealen Erlebnissen führen kann.

Zum Beispiel, wenn während eines Hochgeschwindigkeitsrennens durch die Innenstadt von London plötzlich ein Mitfahrer einen anderen fragt, wo er denn herkomme, und sich dann eine entspannte Plauderei über das Wetter in Ohio und das letzte Formel-1-Rennen auf amerikanischem Boden entspinnt - bei 280 km/h. Neben dem netten Plausch gibt es aber natürlich auch das ungehemmte Gefluche und die direkte Beleidigung. Wenn sich einer aber zu sehr daneben benimmt, kann man ihn hinterher zumindest mit einer schlechten Bewertung abstrafen: wie bei eBay. Seine Gegner kann man sich auch nach Spielstärke aussuchen, damit das Ganze nicht zu frustrierend wird.

"Achtung, RubberDuck, die Bullen!"

Die Stimmen all der jungen Männer mit den schnellen Pixelautos klingen im Kopfhörer irgendwie gleich, begleitet von leisen Fiepgeräuschen und statischem Rauschen. Das hat eine Qualität irgendwo zwischen Carrerabahn und Amateurfunk - ein Online-Truckerspiel für die Xbox könnte ein absoluter Hit werden, "Achtung, RubberDuck, die Bullen!".

Ganz problemlos läuft das ganze aber längst noch nicht: Beim Testspiel stürzte "Project Gotham Racing" in der Onlinevariante mehrmals ab, was wieder zu leicht surrealen Interkontinentaldialogen führte ("Jetzt ist es aber echt eingefroren, Jungs") - denn die Sprachverbindung funktionierte noch. Auch andere Spiele, etwa das Zweiter-Weltkrieg-Geballer "Call of Duty 2" ruckeln, zappeln und stellen sich manchmal tot. Eine Gruppe Frankokanadier hatte beim Testspiel schnell keine Lust mehr, immer wieder auf "Deutsche gegen Amerikaner" zu warten, und stieg schnell aus, den Tester allein mit seinem Sturmgewehr zurücklassend.

Die Online-Möglichkeiten der Xbox 360 sind insgesamt dennoch gut, und auch das gemütliche Geballer mit Freunden in einer anderen Stadt, inklusive freundschaftlicher Pöbelei, könnte nun Mainstream-fähig werden - für Menschen mit DSL-Anschluss zu Hause: ohne Breitband kein Xbox Live. 32 Prozent der Internetnutzer haben im Moment so einen Anschluss. Auch wieder etwas, das Oma und Opa - von Ausnahmen abgesehen - eher von der Next-Generation-Erfahrung ausschließen dürfte.

Die Zusatzfunktionen der Konsole als Multimediazentrum (die wiederum nur in Verbindung mit einer Festplatte, also nur mit der Premium-Version so richtig funktionieren) sind nett. Aber ein bisschen fragt man sich, warum man den PC an die Konsole und die wiederum an Anlage und Fernseher anschließen soll, wenn der PC das doch bisher auch alles ganz alleine konnte: Bilder zeigen, Filme und Musik abspielen.

Fazit: Die Xbox 360 ist, zumindest in der Premium-Version für 400 Euro, schon eine ziemlich runde Sache - für Menschen mit Breitband, einem HD-Fernseher und einem Hang zum Onlinespiel. Als Medienzentrale fürs Wohnzimmer ist sie technisch geeignet - aber, zumindest in der ersten Version, schlicht zu laut. Von den Spielen, die es für die Konsole bisher gibt, ist keines die "Killer Application", die den Kauf alleine lohnenswert machen würde - aber das kann ja noch kommen. Im Frühjahr soll die nächste neue Konsole kommen: Sonys Playstation 3. Microsoft hat schon angekündigt, man werde den als Blockbuster geplanten Shooter "Halo 3" genau dann lancieren. Der Konsolenkrieg der neuen Generation hat noch nicht begonnen.

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