Xbox: Alle Geheimnisse gelüftet - DER SPIEGEL
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Xbox Alle Geheimnisse gelüftet

In nicht ganz einem Monat kommt die Xbox in den USA heraus - Microsoft gab nun den definitiven Launchtermin für Europa, technische Spezifikationen samt Preis bekannt. Und der hat's in sich.
Von Martin Schnelle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am 15. November ist es so weit - in den USA kommt die Xbox in die Läden, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft und fest entschlossen, der Playstation 2 den Rang als meistverkaufte Next-Generation-Konsole abzulaufen. Die Europäer sind wieder die Dummen - egal was gerade neu ist auf dem Markt, hier kommt es immer zuletzt hin.

Fast tausend Mark

Hier zu Lande muss man sich bis zum nächsten Frühjahr gedulden: Microsofts Versuch, die Konsolenherrschaft an sich zu reißen, kommt erst am 14. März 2002 in die Geschäfte.

Für 479 Euro. Nackt.

Tatsächlich, außer dem Gerät liegt der Schachtel nur ein Gamepad, ein Stromanschluss und ein TV-Kabel bei. Für 936,84 Mark erhält der Käufer kein Spiel, die Xbox kann so aus der Schachtel noch nicht einmal DVDs abspielen.

Microsoft rechtfertigt den hohen Preis folgendermaßen: Die Playstation 2 kostete bei ihrer Veröffentlichung vor gut einem Jahr 869 Mark, dazu kam eine Speicherkarte für 80 Mark und ein Spiel für 120 Mark, damit man loslegen konnte. Zusammen knapp 1070 Mark. Da die Xbox eine Festplatte besitzt, ist eine Speicherkarte unnötig, also kauft man das Gerät für 479 Euro sowie ein Spiel, das 69,95 Euro kosten soll. Macht 550 Euro, umgerechnet also 1075 Mark - und außerdem sei ja noch ein Breitbandmodem eingebaut.

Marktchancen

Dafür kann die Xbox auch keine DVDs abspielen: Ein entsprechender Hardwarezusatz inklusive Fernbedienung soll noch einmal 50 Euro kosten. So "nachvollziehbar" die Microsoft-Rechnung auch sein mag, die Playstation 2 hat ihre Einführung bereits hinter sich, es sind mittlerweile eine Menge guter Spiele erhältlich, und in den nächsten Monaten kommen eine ernst zu nehmende Anzahl weiterer hochwertiger Titel heraus. Dazu kommt der gesunkene Preis: Die Sony-Konsole kostet nur noch 600 Mark, außerdem bietet der Hersteller Bundles an mit jeweils einem Spiel für zusammen 670 Mark.

Zu allem Überfluss kommt der Nintendo-Gamecube mit nur kurzem Zeitabstand zur Xbox in die Geschäfte - für erheblich weniger Geld. Der deutsche Preis ist noch unbekannt, aber in den USA soll der kleine Würfel 199 Dollar kosten, also ein Drittel weniger als die Xbox.

Microsoft ist "zuversichtlich"

Vom Erfolg der Xbox ist Microsoft überzeugt: Ed Fries, Vizepräsident der Spiele-Abteilung, geht davon aus, dass sich in Europa in den ersten drei Monaten eine bis eineinhalb Millionen Einheiten verkaufen werden. Zur Veröffentlichung in Europa wird eine große Anzahl qualitativ guter Titel erhältlich sein, darunter etwa das Actionspiel "Halo", eine PC-Entwicklung, die Microsoft aufgekauft hat, oder der Adventure-Titel "Oddworld: Munch's Oddyssey". Weitere Produkte sind in Planung, so "Star Wars: Obi-Wan" und "Project Ego", hinter dem niemand anderes als Spieleguru Peter Molyneaux steckt, der "Black & White"-Erfinder.

Die technischen Daten machen Eindruck: Eine Pentium-III-CPU mit 733 Megahertz erzeugt im Verein mit einem 233-MHz-nVidia-Grafikchip, der so leistungsfähig wie ein GeForce-3-Karte sein soll, 116,5 Millionen Polygone pro Sekunde. Ein Dolby-Digital-5.1-Decoder ist ebenfalls schon eingebaut, genauso wie eine 8-Gigabyte-Festplatte zum Speichern von Spielständen. Vier Controller lassen sich anschließen, dazu dank Ethernet-Karte ein Breitband-Internet-Kabel - dafür müssen freilich die passenden Gegebenheiten zu Hause vorhanden sein; wie das im Einzelnen funktioniert und was es kostet, ist noch nicht bekannt.

Technisch hat Microsoft jedenfalls die Chance auf die Marktführerschaft - doch ob der hohe Preis nicht zu viele Käufer abschrecken wird, bleibt abzuwarten.

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