Xerox PARC Rubel statt Ruhm?
Kein Zweifel: Das Palo Alto Research Center, kurz PARC, hat Geschichte geschrieben. Zu den Schlüsselerfindungen und -entwicklungen, die hier entstanden, gehörte die erste kommerziell nutzbare Maus, das grafische Interface (Vorbild für die Entwicklung von Apple- und viel späteren Microsoft-Betriebssystemen), der erste "Personal Computer", das Ethernet oder der erste Laserdrucker der Welt.
PARC häufte also Ruhm, auch zu Gunsten der finanzierenden Mutter Xerox, die so viel positive Imagewerbung gar nicht hätte bezahlen können, um in der Öffentlichkeit das gleiche Maß an Glaubwürdigkeit als Zeichen setzender Technologie-Konzern zu gewinnen. PARC war schon direkt nach der Gründung 1970 ein Senkrechtstarter - und weil das so war, legte dem Forschungsinstitut niemand bei Xerox Zügel an.
PARC expandierte, lockte Top-Entwickler und Wissenschaftler - und hatte eine Menge dafür vorzuweisen: Der Haken an der Sache war nur, dass zu viele der PARC-Entwicklungen für Xerox kommerziell nicht verwertbar waren. Ja, Xerox PARC initiierte die Gründung von rund 15 Unternehmen, unter denen Nortel wohl das Bekannteste sein dürfte. Doch häufiger noch machten sich PARC-Mitarbeiter mit ihren Ideen selbständig: Adobe oder auch 3com gingen so mittelbar aus PARC hervor - ein aus der Perspektive von Xerox nicht eben erwünschter "Wissens-Transfer"
Damit soll nun Schluss sein.
Xerox verhandelt mit "möglichen strategischen Partnern", um PARC - erweitert um Management und Marketing-Abteilungen - als "outgesourctes" Unternehmen an den Markt zu bringen. Was sich ändern soll, ist offenbar der Umgang mit Mitteln innerhalb von PARC - und der Geldfluss insgesamt: Statt zu zahlen, würde sich Xerox über Geldrückflüsse freuen.
Nach wie vor bindet PARC mit seinen rund 270 Angestellten einen guten Teil der Creme der amerikanischen Forschungsszene. Ob dies so bleibt, wenn das zu schaffende hausinterne Controlling den Etat von derzeit rund 150 Millionen Mark im Jahr zu hinterfragen beginnt, bleibt abzuwarten.
Abzuwarten bleibt auch, ob es PARC gelingt, unter dem Druck direkter kommerzieller Verwertbarkeit weiterhin bahnbrechende Entwicklungen vorzulegen: Die Entwicklung des "Alto", des weltweit ersten Personal Computers, datiert auf das Jahr 1973. Ein "Geschäft" mit solchen Maschinen war da noch lang nicht abzusehen. Was wird der Mann vom Controlling zum nächsten potenziellen "Alto" sagen?
Frank Patalong