Yahoo-Ankündigung: Die E-Mail lernt sprechen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Yahoo-Ankündigung Die E-Mail lernt sprechen

Kunden des Internetriesen Yahoo können sich in den USA ihre E-Mails demnächst über das Telefon anhören. In Deutschland lassen kostenlose sprachaktivierte Internetdienste noch auf sich warten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Yahoo geht neue Wege: Die Kunden des kalifornischen Internetunternehmens, dessen Portal monatlich 156 Millionen Surfer ansteuern, sollen ihre E-Mails und Nachrichten künftig auch per Telefon abrufen können. Wie Yahoo Deutschland-Sprecherin Claudia Strixner gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte, plant die amerikanische Muttergesellschaft eine Einführung der neuen Dienste, die die Internetnutzung ohne Computer ermöglichen.

Mit dem neuen Service können sich Yahoo-Kunden in den USA schon bald Informationen aus ihrer persönlichen Mailbox am Telefon vorlesen lassen. Die Einwahl soll über eine gebührenfreie Nummer erfolgen, die von jedem digitalen Telefon aus möglich ist. Geplant ist, dass die Anrufe über den US-Netzbetreiber Net2Phone geleitet und teilweise von drei bis acht Sekunden langen Werbespots unterbrochen werden. Schon jetzt können Yahoo-Nutzer in den USA über eine eigene Software landesweit im Netz von Net2Phone miteinander telefonieren.

Sprecherin Strixner konnte gegenüber SPIEGEL ONLINE noch keinen Zeitpunkt für die Einführung entsprechender Dienste in Europa nennen. "Diese neuen Telefon-Services sind in Deutschland und den anderen europäischen Partnern aber sehr wohl denkbar." Zunächst einmal werde Yahoo Deutschland, dessen Online-Angebot im August 300 Millionen Page-Impressions erzielte, jedoch von den Erfahrungen der amerikanischen Kollegen profitieren, so Strixner. Zudem wies die Sprecherin darauf hin, dass Yahoo Deutschland im Wireless- und WAP-Bereich den amerikanischen Partnern weit voraus sei.

Auch AOL Deutschland plant in der nächsten Zeit keine Einführung von sprachaktivierten Telefondiensten: "Wir wissen aber, dass Internet-Telefonie in den kommenden zwei Jahren sehr wichtig werden wird", erklärte Sprecher Jens Nordlohne. Dagegen arbeitet die amerikanische AOL-Mutter an einem Telefon-basierten Angebot für seine Webdienste. Zusammen mit dem Start-up-Unternehmen Quack setzt AOL in den USA allerdings verstärkt auf Spracherkennungssysteme, um den Kunden das Eingeben der Nummern zu ersparen. Bei Yahoo hält man diese Technik dagegen noch nicht für ausgereift, da keine ausreichende Qualität geboten werden könne.

Yahoo und AOL sind nicht die ersten Firmen, die entsprechende Dienste anbieten. Pioniere der neuen Technologien in den USA sind die Firmen Tellme und BeVocal, die über weit entwickelte Spracherkennungs- und Sprachaktivierungstechnologien verfügen sollen. Yahoo und AOL setzen jedoch darauf, dass ihre millionenfache Schar der Onlinekunden auch zu Nutzern der neuen Dienste werden.

Stefan Lemke