Zukunftsstandard XML: Die Lingua franca im Internet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zukunftsstandard XML Die Lingua franca im Internet

Kompatibilitätsprobleme sind der Alptraum des digitalen Zeitalters. XML, die künftige Lingua franca des Intra- und Internet, soll der Datenkonversion den Schrecken nehmen. Schon zeigen erste Anbieter, was alles einmal möglich sein wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

XML-Applikationsserver sind die Schlüssellösung für mobile Businessanwendungen schlechthin.

Die Software AG in Darmstadt bietet hier zum Beispiel für nahezu alle Betriebssystemplattformen Produkte unter dem Namen Tamino an. Dazu zählt eine XML-Datenbankanwendung und der "EntireX-Mediator", ein Integrationswerkzeug.

"Die Integration von Geschäftsprozessen wird im E-Business zum erfolgskritischen Faktor", weiß Andreas Zeitler, Software AG-Vorstand für Vertrieb, Marketing und Service. "XML bietet als offener Standard die Möglichkeit, unterschiedliche Datenbanken über Unternehmensgrenzen hinweg zusammenzufügen."

Egal ob Content-Distribution, Logistik oder Verkauf, immer müssen die Daten aus bestehenden Datenbanken herausselektiert und umständlich auf onlinegerechte Datenformate umgestellt werden. So hat der Österreichische Rundfunk (ORF) bei einer internen Untersuchung ermittelt, dass es allein innerhalb der Hörfunkproduktion über alle Regionalstudios hinweg inzwischen Dutzende verschiedene Datenbanksysteme gibt, die derzeit gar nicht oder nur unzureichend miteinander verbunden sind.

Auch in Intranet und Internet vermehrt sich ständig die Zahl möglicher Ausgabeformate: Das beginnt bei traditionellen HTML-Websites, geht über WAP-1.0- und WAP-2.0-Inhalte bis hin zu neuen Standards für i-Mode. Die Gartner Group schätzt, dass es mittelfristig etwa 50 Datenschnittstellen zu versorgen gilt.

XML löst Probleme, bevor sie entstehen

Künftig wird XML (Extensible Markup Language), eine Dokumentbeschreibungssprache, den Austausch von Daten über die Grenzen solcher Standards hinweg dramatisch vereinfachen.

Es ist bereits heute gleichgültig, welche Textverarbeitung man benutzt: Neben dem eigenen Datenformat ist immer auch eine Konversion auf XML möglich. Deshalb muss man heute nicht noch zehn Jahre darauf warten, bis auch die letzte alte Datenbank gegen ein neues System ausgetauscht wird: An die Stelle der so quälenden wie kostspieligen Daten-Portierungen bei jedem Systemwechsel tritt ein fließender Prozess. Hier setzten die Tamino-Produkte der Software AG an:

    Der Tamino-Server ist die neue XML-Datenbank. Sie verwaltet beliebige Dokumente und Dokumentzusätze als XML-Dateien. Mit einer durchgängigen Beschreibung der Dateien lassen sich aus dieser Datenbank alle nur denkbaren Ausgabeformate generieren. Für etablierte Datenbanken gibt es besondere Konvertierungsinstrumente. Solche Werkzeuge gibt es für alle gängigen Microsoft-Anwendungen wie Acess, MS-SQL-Datenbanken sowie für Adabas, Oracle, DB2 und Informix. Der Tamino-Server läuft unter Microsoft NT, 2000, XP, aber ebenso unter Sun Solaris, HP-UX, Red Hat, Suse und anderen Systemen. Damit ist das Herzstück für barrierefreie mobile Anwendungen geschaffen.

Firmen wie die mobileview AG bei Hamburg erwecken auf Tamino-Basis mögliche Anwendungen zum Leben. Der Gründer und Geschäftsführer von mobileview, Jürgen Franke, ein ehemaliger Mitarbeiter der Software AG, präsentiert heute erfolgreich unter dem Motto "A great world for a small screen" maßgeschneiderte Anwendungen für das mobile Business der Zukunft.

Ein Datensatz für alle Formate

Das Hauptprodukt nennt sich Merlix und ist ein Wireless-Application-Server in Kombination mit einer Tamino-XML-Datenbank. Um seinem zauberhaften Name alle Ehre zu machen, transportieren die Mobilexperten aus Rellingen bei Hamburg die XML-Daten auf beliebige mobile Schnittstellen und Endgeräte, einerlei ob WAP, MMS, i-Mode, ob Laptop, PDA, Smartphone oder elektronische Litfasssäule.

Mitarbeiter können sich zudem problemlos ins Intranet einloggen, um auf beliebige Daten zuzugreifen. Wichtige Mitteilungen der Firmenzentrale lassen sich auf mobile Endgeräte "pushen". Das bedeutet, eine WAP-Seite wird ohne aktiven Aufruf angezeigt oder eine SMS empfangen, selbst wenn die SIM-Karte längst voll ist und man die SMS gar nicht aktiv aufgerufen hat.

Wer heute seine Daten einem System wie Merlix überlässt, kann auch künftig alle wichtigen Schnittstellen bedienen. Merlix kann auf Wunsch als ASP-Lösung betrieben werden. Das heißt, die mobileview AG betreibt die Anwendung und hält die Ausgabedaten auf ihren Servern vor.

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, welche weitgefächerten Möglichkeiten die Endgeräte-unabhängige mobile Datenkommunikation künftig ermöglichen wird. Analysten sind sich sicher: Firmen wie die mobileview AG gehören wegen ihrer exponierten Marktpositionierung zu den Ersten, die am viel bestaunten "mobile" verdienen werden. XML macht hierfür den Weg frei.

Mario Gongolsky