25 Jahre danach: Die Rückkehr der Space Invaders - DER SPIEGEL
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25 Jahre danach Die Rückkehr der Space Invaders

Bei "Space Invaders" hat noch niemand gewonnen: Sieger ist der, der am längsten durchhält. Was für ein Frustkonzept für ein Videospiel, das trotzdem zum Welterfolg wurde, weil es eines der ersten war. 25 Jahre nach Aufstellung der ersten Daddelkisten in Spielhallen kehren diese nun zurück: Nostalgie ist in.
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Ein einsamer Wächter gegen eine Ufo-Übermacht mit unbegrenzten Ressourcen, Angriffswelle um Angriffswelle, ein Sieg ist ausgeschlossen: eigentlich ein frustrierendes Konzept, auf dem der Videospiel-Klassiker "Space Invaders" basiert. Trotzdem war das Spiel, 1978 als Arkade-Automat auf den Markt gekommen, sensationell erfolgreich.

Bis heute gilt es als Wendepunkt in der Geschichte der interaktiven Unterhaltung. Zum 25-jährigen Jubiläum hat der japanische Hersteller Taito das Spiel jetzt neu aufgelegt. 10.000 Automaten will man in den USA verkaufen, in der Hoffnung auf nostalgische Impulse bei Spielhallenbesuchern.

Die Aufgabe des Spielers ist bei Space Invaders denkbar schlicht: Er steuert einen Laserturm, der am unteren Rand des Schwarzweiß-Bildschirms hin- und herbewegt werden kann, während von oben reihenweise Alien-Raumschiffe herabströmen. Je mehr von den Angreifern man abschießt, desto schneller bewegen sich die übrigen, ab und zu fliegt ein Ufo als Zielscheibe für Bonuspunkte durchs Bild - das ist alles.

Legendärer Erfolg

In Japan entwickelte sich die Raumschiffjagd vor 25 Jahren innerhalb weniger Monate zum Überraschungshit, die Menschen strömten nur so in die Spielhallen, um Aliens abzuwehren. Angeblich räumten kleine Lebensmittelhändler ihre Läden leer, um möglichst viele Space-Invaders-Automaten aufstellen zu können. Der Boom sorgte sogar für eine Kleingeldknappheit: Die staatliche Münze Nippons musste dreimal so viele Hundert-Yen-Stücke pressen wie vor dem Angriff aus dem Weltall, weil so viele davon in den Groschengräbern verschwanden.

Ab Oktober 1978 war das Spiel auch in den USA zu haben, zu einem Preis von 25 Cent pro Runde. Für viele Amerikaner waren Spielautomaten Ende der siebziger Jahre noch etwas Anrüchiges, weckten Assoziationen zu einarmigen Banditen und schmierigen Billardhallen. Space Invaders holte sie aus der Schmuddelecke, etablierte sie als Familienunterhaltung. Videospiele tauchten in Drogerien und Fast-Food-Restaurants auf.

Mehr oder minder gelungene Kopien des Arkade-Hits bevölkerten kurz darauf die Spielhallen. Taitos japanischer Konkurrent Namco etwa entwickelte ein Spiel namens "Galaxian", das auf dem gleichen Prinzip basierte wie Space Invaders, nur dass die nun farbig dargestellten feindlichen Raumschiffe nicht in geordneten Reihen marschierten, sondern in wechselnden Formationen über den Bildschirm flogen. Einholen konnte Galaxian den Erfolg von Space Invaders nie.

Die große Ära des bis dahin erfolgreichsten Arkade-Automaten aller Zeiten endete 1982, weil ein kreisförmiger, sehr gefräßiger gelber Held auf der Bildfläche erschien: das ebenfalls von Namco hergestellte Spiel "Pac Man", bis heute der erfolgreichste Arkade-Automat aller Zeiten, fegte die Invasoren vom Markt. Ironie des Schicksals: Die Taito-Neuauflage von Space Invaders wird heute in den USA von Namco vertrieben , dem ehemals größten Konkurrenten.

Revival: 10.000 nagelneue "alte" Kisten

Die Jubiläums-Maschinen werden nur in den USA verkauft. Wer jetzt aber Lust auf eine Runde Menschheit-Retten bekommen hat, kann sich an verschiedenen Stellen Emulationen aus dem Netz holen, die dann auf dem PC laufen , etwa unter dem Dach des inzwischen sieben Jahre alten Mame-Projekts . Die Mame-Gemeinde hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Arkadespiele vor dem Verschwinden zu retten. Hunderte von Spielen sind inzwischen als Emulation konserviert und spielbar - manchmal allerdings im urheberrechtlich zweifelhaften Bereich.

Auch in der Kunst leben die Angreifer aus dem All fort: Seit einiger Zeit betreibt ein anonymer französischer Künstler ein Space-Invaders-Projekt, in dem er zur Fortführung der Invasion aufruft, mit Aufklebern und Graffitti, die in den Städten der Welt verteilt werden sollen. Auf seiner Webseite  gibt es Sticker zum Mitmachen und "Invasionskarten" verschiedener Metropolen, auf denen man nachsehen kann, wo in der eigenen Umgebung schon ein Pixel-Alien klebt.

Die Invasion geht also weiter - zum inflationsbereinigten Preis: Heute kostet ein Spiel in den USA nicht mehr 25, sondern 50 Cent.