Mein digitaler Alltag: "Urlaubsbilder1:Ibiza1989/Anreise.iff" - DER SPIEGEL
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Mein digitaler Alltag "Urlaubsbilder1:Ibiza1989/Anreise.iff"

Wir wussten es schon immer: Früher war einfach alles viel besser. Zum Beispiel mit dem Amiga. Ein Erfahrungsbericht.
Von Oliver Keim
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war einmal, vor circa 14 Jahren. Ich war noch jung und aufgeschlossen in Sachen Computer und Software. Angeregt durch die Faszination eines C64 stieß ich 1986 auf eine Maschine namens Commodore Amiga. Diese damalige Wunderkiste konnte fast echte Bilder auf den Bildschirm zaubern, wurde mit der Maus bedient und war höchst innovativ.

Die Konkurrenz ärgerte sich damals noch mit MS-Dos und Buchstabengrafiken herum - von Grafik und parallelen Anwendungen keine Spur in Sicht. Was mich bis heute fasziniert am Amiga: Sein ausgesprochen unkomplizierter Umgang mit Datenträgern. Eine Tatsache, die mich bei jedem Anblick auf meinen heutigen Windows-Desktop frösteln lässt, immerhin acht Stunden am Tag!

Egal ob Diskette, Festplatte, Netzlaufwerk, Wechselplatte, Zip-Disk oder CD-Rom, allen gemeinsam war eines, sie besaßen einen Namen. Den so genannten Volume-Namen. Man konnte den Datenträger benennen, wie man gerade lustig war. Zugegeben, das gibt's unter Windows ja auch, aber er ist zu nichts zu gebrauchen.

Im Amiga jedoch war dieser Volume-Name von essenzieller Bedeutung: Er diente als Ursprungsadresse der meisten Datei-Referenzen. Und das war gut so. So hieß eine Referenz auf eine Datei (auch Verknüpfung oder Link genannt) beispielsweise "Urlaubsbilder1:Ibiza1989/Anreise.iff".

Ein Doppelklick auf diese Referenz startete die Anwendung zur Anzeige des Bildes. War der Datenträger nicht verfügbar (weil er als Diskette im Schrank lag), so kam die freundliche Aufforderung vom Amiga, den Datenträger namens "Urlaubsbilder1" in ein beliebiges Laufwerk einzulegen. Also wurde die Diskette schnell aus dem Schrank geholt, in irgendeines der vier Diskettenlaufwerke gedrückt - und ehe man sich versah, verschwand die Meldung - ganz ohne je noch die Maus oder die Tastatur berührt zu haben! Das Programm startete und zeigte das Bild an.

Dies funktionierte mit allen Dateireferenzen. Es war schlicht und einfach grandios! Zusätzlich konnte man auf seinen Festplatten noch logische Datenträger anlegen, das hieß, dass man ein Volume namens "Ibiza1989" auf eine Festplatte mit dem Namen und dem Pfad "Harddisk1:Urlaub/Bilder/1989/Ibiza" legen konnte.

Sprach man dann die Bilddateien über "Ibiza1989:Anreise.iff" an, und die Dateien lagen in diesem Verzeichnis, so wurde das Bild sofort angezeigt. Das ging sogar rekursiv, und immer hat der Amiga die Referenzen richtig aufgelöst und mich erfreut.

Und wie sieht die heutige Innovation aus? Alle Dateireferenzen gehen auf physische Laufwerksbuchstaben zurück, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Datenträger zu tun haben. CD-Roms, die beispielsweise auf Laufwerk "H:" lagen, liegen aber plötzlich auf Laufwerk "G:", weil Windows beim Booten die Buchstaben umhergewirbelt hat, weil eine Zip-Disk diesmal im Laufwerk saß, was zuvor nicht der Fall war.

Jeder Aufruf eines Bildes geht schief, Programme starten nicht mehr, Chaos, Chaos, Chaos. Windows Programme meinen lapidar, sie könnten die Datei nicht mehr finden. Ein Datei-Suchen-Dialog kommt nicht, sondern nur ein Datei-Öffnen-Dialog, der impliziert, dass der Anwender schon wüsste, wo er die Datei suchen muss. Das genau ist unnötig und lästig. Und das jeden Tag. Wo ist denn bitte die Zukunft geblieben?

Zukunft? Schade, in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Einfachheit im Umgang mit Datenträgern war diese Zukunft vor langer Zeit einmal Realität. Und leider habe ich die Hoffnung längst aufgegeben, dass dies mit dem am besten vermarkteten Betriebssystem der Erde jemals besser wird.