AK-MP3 Maschinengewehr mit MP3-Player
Sie feuert bis zu 600 Schuss pro Minute, ist eine der meistverbreiteten Waffen der Erde und definitiv eine der preiswertesten: Die AK-47, alias "Kalischnikow". Wer auch immer auf der Welt wirre Ideen hat oder dringende Anliegen, die er nur mit Waffengewalt durchsetzen zu können glaubt, der greift zu dieser Waffe der Terroristen, Guerillas, Irren und gewöhnlichen Gewaltverbrecher.
Von Kasachstan bis zu den Hinterhöfen von Budapest ist die Waffe auf dem Schwarzmarkt überall billig zu haben, wo irgendwann einmal die sowjetische Armee oder ihre Verbündeten stationiert lagen. So befinden sich ungezählte AK-47 in den Händen unbescholtener Waffenliebhaber, bisher inaktiver Waffennarren oder noch nicht erwischter Waffen-Irren.
Denen hat Andrey Koltakow was zu bieten, das dem Spiel mit der tödlichen Bleispritze eine besinnlichere Note geben könnte: Das "AK-MP3".
Dabei handelt es sich um ein zum MP3-Player umgebautes AK-47-Magazin. Sein "Beitrag zum Frieden" sei das, sagt Koltakow, ein vor Zeiten verglommener Star am russischen Musikhimmel. Rund ein Jahr interessierte die Webseite niemanden, lief der Vertrieb von AK-MP3s wenn überhaupt nur in Russland und der Türkei: Dort zumindest war das Angebot seit Februar 2003 wahrgenommen worden, ob es echte Verkäufe gab, ist nicht bekannt.
Das westliche Europa erreichte die Nachricht von dem nutzbringenden, weil schussverhindernden MP3-Player via Australien: Die dortige Presse stürzte sich mit Begeisterung auf das Thema, weil Koltakows Killer-Angebot ausgerechnet zur Bewerbung von Hörbüchern eingesetzt wird (die Bebilderung der Werbeseite mag allerdings viel für die plötzliche Popularität des Themas getan haben). Nun also soll der stolze, fanatische oder schlicht beknackte AK-47-Besitzer versonnen Sonneten lauschen oder auf Sherlock Holmes Spuren wandeln, statt vom mühelosen Menschen-Mord zu träumen.
Allein die für einen Kampfeinsatz überraschend spärlich bekleidete junge Dame, die auf Koltakows Angebotsseite für das AK-MP3 und die Schönheit von Hörbüchern wirbt, trägt ihren "Walkman" am Gürtel: Damit ließe sich also das Maschinengewehr-Geballer auch mit passender Hintergrundmusik untermalen.
Angeboten wird das AK-MP3 unbefüttert für stolze 350 Dollar und mit mehr als 300 Hörbüchern vorgefüttert für noch stolzere 600 Dollar. Wohlgemerkt: Die Wumme zum Walkman muss man sich extra dazukaufen. Welche Bücher der schießfreudige Literaturfreund für sein Geld erhält, geht aus dem Angebot nicht sofort hervor: "300+" ist da die einzige Angabe.
Alles Werbung oder was?
Ein Blick auf die Hauptseite der Firma "AudioBooksForFree", deren Server in den Niederlanden stehen, während ihre Finanziers angeblich in Russland sitzen, ihre Besitzer und Betreiber aber in England, macht das Angebot etwas klarer: Von Defoe über Verne und Conan Doyle bis hin zu Poe veröffentlicht die Firma von Koltakow und Ruslan G. Fedorowsky alles, was mindestens 70 Jahre Tod ist.
Die Firma bietet zahlreiche Klassiker zum Download - in offen zugestanden äußerst bescheidener Qualität kostenlos (daher der werbeträchtige Name), in besseren Qualitäten dann gegen Zahlung. Dazu gehört bereits seit geraumer Zeit das Angebot, sich einzelne oder auch sämtliche Hörbücher auf CDs brennen und liefern zu lassen - oder aber vorgefütterte MP3-Player zu erstehen.
AK-MP3: Ein Aprilscherz mit Anlauf?
Bereits seit vier Jahren trommeln Koltakow und Fedorowsky immer wieder mit etwas abseitigen PR-Gags für ihr leicht staubiges, aber pfiffiges Hörbuch-Angebot: Das reicht von den angeblichen russischen Öl-Millionen, mit denen AudioBooksForFree nun "blinden Kindern und Autofahrern" helfe, über das Angebot an die damals heftig unter juristischem Beschuss stehende Musiktauschbörse Napster, ihre Server auf einem Satelliten im All unterzubringen und so der Gerichtsbarkeit zu entziehen, über die Weltmeisterschaft im Wodka-Trinken bis hin zur Gründung der "MP3-Partei" im Jahre 2002, mit der die beiden Neubriten an der Unterhauswahl teilnehmen wollten.
Da reiht sich die vermeintliche Kalaschnikow-Friedensinitiative mit dem Dudel-Magazin nahtlos ein. Zurzeit, behauptet die Website, sei das Ding nicht lieferbar, aber schon könne man sich für die nächste Lieferung ab April 2004 auf die Warteliste setzen lassen.
Ob man dann tatsächlich MP3-Magazine für die AK-47 wird kaufen können, bleibt abzuwarten. Die Web-Unternehmer Koltakow und Fedorowsky jedenfalls sind bisher nur mit krummen Themen, nicht aber mit krummen Touren aufgefallen. Allerdings sind sie auch immer wieder für einen Werbegag gut - und dieser wäre ja zumindest in einer Hinsicht passend: Im Falle AK-MP3 geht es bei Inhalt wie Verpackung um Klassiker.
Frank Patalong