Racheaktion nach Nawalnys Tod Hacker manipulieren offenbar Computersystem für russische Gefängnisse
Gedenken an Kremlkritiker: »Lang lebe Alexej Nawalny!«
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Nur Stunden nach dem Bekanntwerden des Todes des Oppositionellen Alexej Nawalny am 16. Februar sollen Hacker oder Hacktivisten einen Rachefeldzug gegen das russische Regime gestartet haben. Einem Bericht von CNN zufolge drangen sie in ein Netzwerk ein, das mit dem russischen Gefängnissystem zusammenhängt, und kopierten Daten von Hunderttausenden Gefangenen und deren Verwandten. Darunter sollen sich Telefonnummern und E-Mail-Adressen befinden.
Darüber hinaus manipulierten die Täter nach eigenen Angaben das System, über das Verwandte ihren inhaftierten Angehörigen Lebensmittel kaufen können. Produkte wie Nudeln oder Dosenfleisch kosteten demnach plötzlich nur noch einen Rubel, rund ein Hundertstel des normalen Preises. Es soll demnach mehrere Stunden gedauert haben, bis die Betreiber das bemerkten, und drei Tage, bis die Administratoren des Systems die Preise wieder auf das alte Niveau anheben konnten.
Außerdem versahen die Hacker die Website des Betreibers jenes Gefängnisses, in dem Nawalny zuletzt saß, mit einem Foto von ihm und seiner Frau Julija, begleitet von der Botschaft »Lang lebe Alexej Nawalny!«.
Die Behauptungen der Hacker lassen sich in Teilen überprüfen
Nach Angaben von CNN-Reportern, die mit den Hackern chatten konnten und Screenshots sowie Daten von ihnen bekamen, lassen sich die Behauptungen zumindest in Teilen bestätigen. Zwar gebe es in der kopierten Datenbank einige Duplikate, dennoch enthalte sie Informationen zu Hunderttausenden Menschen. Stichprobenartig konnte CNN anhand öffentlicher Daten einige dieser Menschen als tatsächlich Inhaftierte identifizieren.
Der Onlineshop, den die Täter manipuliert haben wollen, gehört den Recherchen zufolge dem russischen Staat. Am 19. Februar habe der Betreiber im russischen sozialen Netzwerk VK einen Beitrag veröffentlicht , in dem es hieß, »ein technischer Fehler« habe dazu geführt, dass »Preise von Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs falsch wiedergegeben wurden«. Auf eine Anfrage von CNN hat er bisher nicht geantwortet.
Einem Sicherheitsexperten der US-Firma SentinelOne zufolge scheint die Datenbank authentisch zu sein und aus dem System des Onlineshops zu stammen.
Zumindest einige der Täter bezeichnen sich dem Bericht zufolge als ausgewanderte russische IT-Spezialisten. Sie würden nach Russland zurückkehren, »wenn es von Putins Regime befreit ist«, wie sie in einer Botschaft auf der gehackten Onlineshop-Seite schrieben. Ihre Identität konnte CNN allerdings nicht überprüfen.