AllofMP3-Sperrung Aufregung um dänisches MP3-Urteil
Das Urteil dürfte unter Freunden preiswerter Musik und in der Telekommunikationsbranche für Aufsehen sorgen: Ein dänisches Gericht hat den schwedischen Internet-Serviceprovider Tele2 dazu aufgefordert, seinen Kunden den Zugang zu AllofMP3 zu sperren - jener umstrittenen Musikplattform, die ganze Alben für weniger als einen Dollar anbietet.
"Dieses Urteil ist ein weiterer Schritt, diese Piratenseite zu schließen", tönte John Kennedy, Chef des Musikindustrie-Lobbyverbands IFPI. An anderer Stelle stieß das Urteil auf weit weniger Begeisterung - und das nicht nur bei AllofMP3-Betreiber Mediaservices. Tele2 etwa will laut einem Bericht des IT-Dienstes "The Register" gegen das Urteil vorgehen. Die schwedische Tele2-Gruppe ist nach eigenen Angaben mit mehr als 30 Millionen Kunden in 22 europäischen Ländern einer der führenden Telekommunikations-Dienstleister in Europa. Unter ihnen befinden sich Millionen Kunden mit Breitband-Internetzugang.
Auch dänische Branchenvertreter kritisierten die Entscheidung des Gerichts mit scharfen Worten. "Ich bin schockiert über dieses Urteil und sehe es als Zensur an", sagte Ib Tholstrup, Direktor des dänischen Branchenverbands Telekommunikationsindustrien, der Newsseite "Slyck". Tele2 und andere Serviceprovider ermöglichten den freien Zugang zu Informationen im Internet und müssten diese Informationen nun sortieren. "Das ist für uns unbekanntes Terrain", sagte Tholstrup. "Es ist, als ob die Postämter alle Briefe lesen müssten, die sie bekommen. Ich kann dieses Urteil nur zutiefst missbilligen."
Sebastian Gjerding, Sprecher der dänischen Urheberrechts- und Verbraucherschutz-Aktivisten "Piratgruppen", äußerte sich nicht weniger verärgert. Das Urteil zeige eindeutig, "dass die IFPI eine Bedrohung für die freie Kommunikation ist". Offensichtlich kenne die IFPI in ihrem Kampf gegen die Piraterie keine Grenzen - "auch wenn das die Einschränkung der freien Kommunikation bedeutet".
Gjerding verglich Dänemark gar mit China: "Dort können Bürger Internetseiten nicht abrufen, die in anderen Ländern legal sind, von der chinesischen Regierung aber nicht gebilligt werden. Diese Politik hält nun in Dänemark Einzug." Für den Fall, dass das Gericht sein Urteil nicht revidiere, drohte Gjerding mit aktivem Widerstand: "Technische Vorkehrungen, das Internet zu zensieren, sind oft leicht zu überlisten. Die Piratgruppen ist mehr als bereit, den Leuten zu zeigen, wie das geht."
Ob das aber die Rettung von AllofMP3 ermöglichen wird, ist offen: Erst vor wenigen Tagen haben die Kreditkarten-Anbieter Visa und Mastercard angekündigt, keine Zahlungen an AllofMP3 mehr zu akzeptieren - ebenfalls auf Druck der Musikindustrie.
mbe