Alphv alias Blackcat FBI erzielt Erfolge gegen berüchtigte Hackergruppe
Dieses Banner schaltete das FBI zeitweise auf der beschlagnahmten Website der Hacker
Foto: Andre M. Chang / ZUMA Wire / IMAGOAllein in den vergangenen 18 Monaten soll eine unter den Namen Alphv, Blackcat und Nobeurs bekannte Hackergruppe weltweit Hunderte Millionen Euro Lösegeld ergaunert haben. Das schreibt das FBI in einer aktuellen Pressemitteilung , mit der die Behörde einen Erfolg gegen die Gruppe verkündet. Gemeinsam mit anderen Ermittlern ist es der US-Bundespolizei demnach gelungen, Einblicke in das Netzwerk der Gruppe zu erlangen und mehrere Websites von Alphv zu beschlagnahmen – darunter auch eine Seite, auf der regelmäßig erbeutete Daten geleakt wurden. Aus Deutschland waren das Bundeskriminalamt und die Zentrale Kriminalinspektion Göttingen an der Kampagne gegen die Gruppe beteiligt, die offenbar schon seit Monaten lief.
Das FBI rühmt sich in seiner Mitteilung auch, ein Entschlüsselungstool entwickelt zu haben, mit dem es mehr als 500 Opfern eine Wiederherstellung ihrer Daten anbieten konnte. Die stellvertretende Generalstaatsanwältin Lisa O. Monaco sagt, dem amerikanischen Justice Department sei es »erneut gelungen, die Hacker zu hacken«. Die Bekanntmachung des FBI ist als Zwischenbilanz ihrer Aktionen gegen die Gruppe zu verstehen. Die US-Sicherheitsbehörde betont, dass ihre Ermittlungen weitergehen und dass es ihr Ziel sei, die Hintermänner von Alphv für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen.
Alphv bietet einen Dienst der Kategorie Ransomware-as-a-Service an. Das bedeutet, dass die laut Experten russischsprachige Gruppe anderen Kriminellen ihre Infrastruktur und Software zur Verfügung stellt. Damit greifen diese dann Unternehmen und Behörden an, um ihre Daten zu verschlüsseln und sie erst gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder freizugeben. Als Druckmittel setzen die Erpresser dabei die abgefischten Daten ein: Weigert sich ein Opfer zu zahlen, werden sie nach und nach ins Netz gestellt.
Nicht hinter jedem dieser Angriffe, bei dem die Spuren in Richtung der Gruppe Alphv führt, steht also das Kernteam. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, das System hinter den Attacken am Laufen zu halten. Von den Lösegeldern, die externe Partner erbeuten, erhält es dann einen Anteil.
Daten kopieren, verschlüsseln und leaken
Die Erpressersoftware von Alphv kam laut dem FBI schon bei Attacken auf Regierungseinrichtungen und Notfalldienste zum Einsatz, aber auch auf Firmen aus dem Bereich Rüstungsindustrie und Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen. In Deutschland machte der Name Alphv unter anderem im Zuge eines Datenlecks bei der Hotelkette Motel One die Runde.
Sergey Shykevich, ein Experte der IT-Sicherheitsfirma Check Point, sagte in einer Reaktion auf die FBI-Mitteilung, Alphv habe in den vergangenen zwei Jahren mehr als 700 Opfer öffentlich erpresst. Seiner Einschätzung nach zählt die Gruppe zu den drei raffiniertesten und produktivsten Ransomware-Gruppen aus Osteuropa.
Nicht der erste Schlag gegen bekannte Gruppen
Dieses Jahr hat es bereits mehrere Schläge gegen bekannte Hackergruppen gegeben. So erzielten Kooperationen internationaler Ermittler zum Beispiel mehrere Erfolge gegen Gruppen wie Hive und gegen das Schadsoftware-Netzwerk Qakbot.
Oftmals allerdings bedeuten solche Schritte nicht, dass die Kriminellen plötzlich ihr lukratives Geschäft aufgeben. In vielen Fällen tauchen Gruppen mit einem frischen Branding erneut auf. Alphv sieht sich derweil offenbar noch lange nicht geschlagen. Wie »BleepingComputer« berichtet , betont die Gruppe in einer Mitteilung sinngemäß, das Eindringen in ihre Systeme sei nicht allzu folgenreich gewesen. Als Reaktion auf den Vorstoß der Ermittler hebe man für die eigenen Partner nun alle Regeln auf: Sie dürften nun auch Krankenhäuser oder Kernkraftwerke angreifen, droht Alphv. »BleepingComputer« zufolge hat die Gruppe auch schon eine neue Website für Leaks aufgesetzt, auf die das FBI keinen Zugriff hat.