Buchungsportal Amazon will angeblich Nächte im Hotel verkaufen
Amazon-Paket: Zwei Nächte in New York und passendes Schuhwerk dazu
Foto: © Michaela Rehle / Reuters/ REUTERSAmazon will offenbar sein Portfolio erweitern: Neben Warenhändler und Online-Videothek will sich das Internetkaufhaus in Zukunft offenbar auch als Hotelbuchungsportal beweisen. Laut einem Bericht des Reiseportals "Skift" will Amazon in wenigen Wochen eine Website für Hotelbuchungen ins Netz stellen. "Skift" bezieht sich dabei auf drei Hotelvertreter, von denen zwei den Vertrag mit Amazon bereits unterzeichnet haben sollen. Ein weiterer Vertreter spiele ernsthaft mit dem Gedanken, seine Zimmer ebenfalls bei Amazon anzubieten.
Zum Start soll das Portal nur die Zimmer einiger Hotels rund um Großstädte wie New York, Los Angeles und Seattle anbieten. Amazon soll pro Deal einen Anteil von 15 Prozent verdienen. Die Kommission ist aber wohl nicht fix festgelegt, sondern je nach Angebot verhandelbar. Laut dem Bericht soll das Portal bereits zu Beginn des kommenden Jahres online gehen und ausschließlich Hotelzimmer anbieten, keine Flüge und keine anderen Reiseangebote.
Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte sich eine Amazon-Sprecherin nicht zu den Berichten äußern.
Die Amazon-Mitarbeiter sollen sich bei der Auswahl der Hotels an den Touristen-Empfehlungen auf der Reiseplattform "Tripadvisor" orientiert haben und die beliebtesten Hotels mit vier oder mehr Sternen angeschrieben haben. Amazon legt bei der Auswahl laut "Skift" viel Wert darauf, dass vor allem unabhängige Hotels für das Projekt gewonnen werden, nicht große Hotelketten.
Hotelzimmer und Ausrüstung buchen
Neben einer neuen Einnahmequelle könnte Amazon mit einem Reiseportal vor allem von zusätzlichen Informationen über die Kunden profitieren. Die Reisepläne könnten mit dem Warenangebot verknüpft und dadurch ein schärferes Profil der Kunden erstellt werden. Außerdem könnte Amazon den Nutzern gleich die passende Ausrüstung für den Urlaub empfehlen. Denn anhand der Umgebung des Hotels lässt sich leicht herausfinden, ob der Nutzer eher Wanderstiefel, eine Strandmatte oder eine Angelrute brauchen könnte.
Es wird jedoch keine leichte Aufgabe für Amazon. Portale wie HRS, Booking.com und Expedia kämpfen schon lange um die Herrschaft auf dem Hotelbuchungsmarkt, auch in Deutschland. Die Hotels zahlen hierzulande Provisionen in Millionenhöhe an die Web-Anbieter. Der harte Preiskampf hat zu Auswüchsen wie einer sogenannten Bestpreisklausel in Verträgen mit den Hoteliers geführt, um garantiert der billigste Anbieter zu bleiben. Das hat dazu geführt, dass sich auch schon das Bundeskartellamt einschalten musste.