Analysten "Bill Gates nimmt das persönlich"
Monatelang wurde im Geheimen verhandelt, wurden Positionen ausgetauscht und Schlichtungsvorschläge diskutiert - erfolglos. Zu einer außergerichtlichen Einigung im Kartellprozess gegen Microsoft, von Richter Thomas Penfield Jackson immer wieder gefordert, kam es nicht.
"Weil Bill Gates nicht wollte", ist der Wirtschaftsjournalist Ken Auletta ("New Yorker") überzeugt. Auletta sagte gegenüber dem US-Sender CNN: "Gates' Fehler ist, dass er die ganze Sache persönlich nimmt. Er folgt den Argumentationen des Gerichtes nicht, fühlt sich stattdessen dämonisiert."
Hoffnungen, Microsoft werde nun noch vor der Urteilsverkündung, die unter Umständen erst in mehreren Monaten ansteht, nach einem Vergleich suchen, widersprach Auletta: "Gates glaubt, dass er im Recht ist. Dieser Mann ist wie ein Vulkan, und manchmal explodiert er."
Analysten zufolge habe der Prozess eine für Microsoft ungünstige Wendung genommen, nachdem es mehrere Male zu spannungsgeladenen Szenen zwischen Richter Penfield Jackson und Bill Gates gekommen sei. Besonders die auf Video aufgezeichnete Zeugenaussage Bill Gates' im Oktober vergangenen Jahres habe das Gericht irritiert.
Gates entschied sich Anfang Januar, die Leitung des Unternehmens an Steve Ballmer abzutreten. Dabei ging es dem Unternehmen angeblich nicht darum, Gates aus der "Schusslinie" zu bringen: Gates wolle sich einfach wieder auf seine Leidenschaft, die Entwicklung von Software, konzentrieren können. Beobachter bezweifeln dies, da der Microsoft-Gründer - ganz im Gegensatz zu Ballmer - bei fast jeder Gelegenheit das Licht der Öffentlichkeit sucht.
Microsoft kündigte etwa eine Stunde nach Verkündung des Urteilsspruches an, das Unternehmen werde, falls nötig, in Berufung gehen. Bill Gates äußerte jedoch seinen Willen, doch noch nach einer Lösung "ohne weiteren Rechtsstreit" zu suchen. "Wir haben ein Team erstklassiger Anwälte, die sich mit den juristischen Fragen beschäftigen werden."
Erstmals seit Tagen äußerte sich auch Microsoft-Chef Steve Ballmer: "Wir erkennen an, dass wir eine besondere Verantwortung tragen." Microsoft habe sich seit Anfang der achtziger Jahre von einem kleinen Start-up-Unternehmen, das sich aggressiv gegen Industriegiganten habe durchsetzen müssen, zu einem "Großen" entwickelt. Microsofts Philosophie, stets das beste Unternehmen sein zu wollen, sei in der Öffentlichkeit missverstanden worden.
Auf die Frage, ob Microsoft sich nun doch noch um eine außergerichtliche Einigung bemühen werde, sagte Ballmer: "Wir würden die Diskussion über diese Frage gern weiterführen".