Ananova: Jung, schön und künstlich - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ananova Jung, schön und künstlich

Sie liest ohne jeden Versprecher, muss sich nie räuspern und braucht keinen Spickzettel: Im April nimmt die "erste virtuelle Nachrichtensprecherin der Welt" ihren Dienst auf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Noch existiert Ananova  lediglich als Bild. Bewegungen und Sprache werden erst später hinzukommen. Doch schon jetzt sind die Briten, so hat es den Anschein, ganz verrückt nach der Kunstfigur.

In britischen Medien wird spekuliert, wem die virtuelle Schönheit ähnlich sehen könnte. Die Zeitungen gehen inzwischen von einer Mischung aus dem Spice-Girl Victoria Adams, der australischen Sängerin Kylie Minogue und der englischen Fernsehmoderatorin Carol Vorderman aus. Deutsche Journalisten sehen in Ananova viel eher eine Kreuzung aus Birgit Schrowange und Nina Hagen.

Spekulationen, von denen die Erfinder der virtuellen Nachrichtensprecherin, so sagen sie zumindest, überrascht sind. "Ananova geht auf überhaupt kein menschliches Rollenmodell zurück. Sie ist ein Web-Wesen, erschaffen aus digitaler DNA", ließen sie am Mittwoch verlauten. Was die Schöpfer aber nicht davon zurückhält, im Internet einen Wettbewerb zu starten, wer Ananova denn am ähnlichsten sieht. Auch wenn die Nachrichtensprecherin noch kein Wort gesagt hat, scheint die PR-Maschine schon wunderbar zu laufen.

Hinter der Dame mit den roten Lippen und dem grünlich schimmernden Haar steckt die britische Nachrichtenagentur Press Association  (PA), die auf diese Weise neue Märkte im Internet erschließen will. PA sieht viele Vorteile gegenüber einer Nachrichtensprecherin aus Fleisch und Blut: Ananova braucht zum Beispiel nie Urlaub und ist immun gegen Schnupfen.

Die 28 Jahre alte und 1,72 Meter große Frau hat viel Technik im Rücken. Ein ausgeklügeltes Programm macht es möglich, schriftliche Texte in gesprochene Sprache zu verwandeln. Gleichzeitig berechnet das Programm auch die Mimik und die Lippenbewegung der virtuellen Figur. Die vorgelesenen Nachrichten werden dann als streaming Video übers Netz verschickt.

Bei der Auswahl der News will Press Association auf ihre schon bestehende Infrastruktur zurückgreifen, die es ihr erlaubt, möglichst schnell auf Nachrichten aus aller Welt zuzugreifen. Auf diese Weise ist Ananova ständig über die Neuigkeiten informiert, kennt aber auch alle Fußballergebnisse seit 1933 auswendig und kann, so ihre Schöpfer, in einer Sekunde Tausende von Aufgaben gleichzeitig ausführen.

Bei all dem wirkt sie, lobt Press Association, nie arrogant oder überheblich und vor allem: Sie antwortet immer nur, wenn sie gefragt wird.