Angebliche Hasspropaganda: Indien lässt Weblogs sperren - DER SPIEGEL
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Angebliche Hasspropaganda Indien lässt Weblogs sperren

Die indische Regierung hat den Zugang zu 17 verschiedenen Weblogs blockieren lassen. Von der Sperre sind jedoch ganze Domains wie blogspot.com und damit Tausende Tagebücher betroffen. Blogger protestieren gegen die Aktion.
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Die Anordnung kam schon in der letzten Woche. 17 Webseiten müssten blockiert werden, hieß es in dem Schreiben der Behörden an die Provider. Und die rund 150 Internetanbieter des Landes gehorchten. Nun sind aber nicht nur 17 Webseiten und Blogs für indische Surfer blockiert, sondern Tausende. Denn die Provider haben offenbar Probleme, ein bestimmtes Blog auf Portalen wie blogspot.com zu sperren und blockieren stattdessen gleich die ganze Domain.

Begründet wird die Sperrung mit Texten, in denen religiöser Hass angestachelt werde. Die Anordnung zur Blockierung sei am 13. Juli, zwei Tage nach den Bombenanschlägen auf Vorortzüge in Bombay, verschickt worden, bei denen mehr als 180 Menschen starben.

Gulshan Rai vom indischen Kommunikationsministerium sagte, bei der Sperrverfügung handle es sich nicht um eine direkte Reaktion auf die Anschläge. Offenbar waren jedoch fundamentalistische Texte Auslöser der Sperrung: "Diese Blogs stacheln Muslime gegen Nicht-Muslime auf", erklärte Rai.

In der indischen Bloggerszene stieß die Verfügung auf heftige Kritik. "Wenn das keine Zensur ist, dann weiß ich nicht, was es sonst sein soll", schrieb Neha Viswanathan auf www.withinandwithout.com . Durch die Blockierung ganzer Blogdomains wie blogspot.com sei ein ganzes Spektrum von Blogs für Inder nicht mehr erreichbar, das von konservativen Stimmen aus den USA bis zu eher radikalen Stimmen reicht.

Mancher glaubt sogar, dass die Sperre bestimmte Blogs erst richtig bekannt macht. "Diese Bann bringt den Seiten mehr Aufmerksamkeit", sagte der Blogger Shivam Vij aus Dehli. Die Seiten seien zudem weiterhin zugänglich. Man müsse nur wissen, wie man trotz der Sperre an die Inhalte herankomme. Entsprechende Anleitungen sind mittlerweile online abrufbar .

"Vorher hatten die Seiten nur wenige Leser - die meisten von uns kannten sie nicht einmal", erklärte Vij. Es gebe zudem keine Beweise dafür, dass diese Seiten Gewalt provoziert hätten. "Das ist einfach nur Paranoia."

hda/Reuters/BBC Online