Angeschaut So sieht Googles Webshop aus
Fehlstart: Googles Chrome Web Store funktioniert nur im Chrome-Browser, nirgendwo sonst
Im Firmen-Blog widmet Google dem neuen Chrome Web Store nur einen Absatz und da steht auch noch Quatsch drin. "Zurzeit ist der Store nur in den USA verfügbar, aber wir werden ihn nächstes Jahr in viele andere Länder und Währungen erweitern", ist dort zu lesen. Das könnte einem die Stimmung versauern, wäre es nicht falsch. Denn tatsächlich lässt sich der neue Software-Shop problemlos auch von Deutschland aus erreichen und nutzen, wie SPIEGEL ONLINE mit verschiedenen Computern bestätigt hat. Man muss nur eine Grundbedingung erfüllen.
Und die ist schlicht und einfach: Man braucht Chrome. Ohne Googles Webbrowser geht natürlich gar nichts und darauf wird man auch unmissverständlich hingewiesen, wenn man den Store beispielsweise mit Firefox oder Safari ansteuert. Angucken und rumstöbern geht mit denen zwar, Apps installieren aber nicht. Die Verbreitung von Googles Chrome-Browser dürfte dadurch in den nächsten Tagen noch kräftig zulegen. Gerade hat Google stolz 120 Millionen Chrome-User gemeldet. Zu denen wird sich jetzt noch die Schar der Neugierigen gesellen, die Googles Web-Apps ausprobieren wollen.
Wichtig dabei: Man braucht die neue Chrome-Version 8, um Apps aus dem Chrome Web Store installieren zu können. Aber das sollte keine Hürde sein. Wer Chrome schon installiert hat, bekommt das Update automatisch eingespielt., wer ihn jetzt erst herunterlädt, bekommt sowieso die aktuelle Version.
Was man dann zu sehen bekommt, wenn man den Chrome Web Store ansteuert, zeigt SPIEGEL ONLINE auf den folgenden Seiten - und auch das Killer-Feature wird verraten:
Der Chrome Web Store
Der Blick in den Chrome Web Store offenbart ein Layout, das sehr an Apples iTunes erinnert: Links eine Spalte, rechts eine Spalte und in der Mitte ist Platz, um einige Apps besonders hervorzuheben. Ganz oben, sozusagen im Titel der Seite, werden acht Apps noch mal extra mit wechselnden Bildern beworben.
Linker Hand wird die Übersicht dann durch Kategorienreiter ergänzt, über die man gezielt beispielsweise in die Abteilung für Spiele oder in die für Lernsoftware hinabsteigen kann. Außerdem sind hier einige "Collections", also Sammlungen, zu finden, in denen von Google ausgewählte oder aus Hitlisten generierte Programme zusammengeführt sind, beispielsweise zu den Themen "Bilder" oder "Weihnachten". Das ist ein netter Service für Einsteiger, die sich ohne viel herumzusuchen einen Schwung Apps auf den Rechner laden wollen.
Rechts davon stehen die Top-10-Listen bereit, die jeweils für kostenlose und bezahlte Apps auflisten, welche Apps am häufigsten heruntergeladen wurden.
Das Angebot
Chrome Web Store: Extensions, Themes und SPIEGEL ONLINE
Das Angebot vom Chrome Web Store ist in drei grundlegende Kategorien aufgeteilt. Da sind zum einen die Chrome-Erweiterungen und die Themes, die es auch vorher schon gab, nur nicht so übersichtlich versammelt wie hier. Themes sind Dateien, mit denen man das optische Erscheinungsbild des Chrome-Browser verändern kann.
Extensions sind - der Name sagt es - Erweiterungen, die den Webbrowser um neue Funktionen ergänzen. So gibt es beispielsweise eine Extension für den Google Reader, die aktuelle Nachrichten per RSS-Feed anzeigt, es gibt eine Extension für das intelligente Webradio Last.fm, eine für SPIEGEL ONLINE und noch etliche mehr. Allein Google hat für Dutzende seiner Angebote solche Erweiterungen veröffentlicht.
Was in allen Kategorien fehlt und wirklich nervt, ist, dass es keine Möglichkeit gibt, sich das Gesamtangebot einer Kategorie nach Kriterien wie Popularität oder Erscheinungsdatum sortiert anzeigen zu lassen.
Die "New York Times"
Als eine der ersten Zeitungen ist die "New York Times" in Googles Web Store vertreten. Die Qualität der Umsetzung bietet aber durchaus Stoff für Diskussionen. Hervorragend gelungen ist die Lesbarkeit der Texte auf dem Bildschirm, die meist von einem Foto oder einer Anzeige flankiert werden. Ebenso ist die Navigation innerhalb der Online-Zeitung prima gelöst. Man wird mit weichen Übergängen von einem Ressort zum nächsten geführt, kann schnell von Ressort zu Ressort springen.
Dem Layout dagegen merkt man deutlich an, das es für den zur Verfügung stehenden Platz nicht optimiert wurde. Die Übersichtsseiten sind genau das, was der Name verspricht: übersichtlich. Riesige Weißräume vermitteln den Eindruck, dass da etwas fehlt. Und seien es nur angepasste Teaser-Texte, die den Raum besser ausnutzen.
Spiele? Spiele!
Naturgemäß ist die Abteilung "Spiele" schon zum Start gut gefüllt. Von simplen Kombinationspielen wie "Entaglement" über komplexe Sportsimulationen wie "Fifa Superstar" bis zu Web-Klassikern wie "Farmville", sind die Regale gut gefüllt. Zugegeben, es ist auch viel Mist dabei. Oder zumindest Apps, die nicht so recht zu begeistern wissen.
Überhaupt nicht für Begeisterung geeignet sind aber vor allem Spiele, bei denen man erst etliche Hürden nehmen muss, bevor man zum Daddeln kommt. So etwa wie "Tiger Woods PGA Tour Online", bei dem man sich nicht nur durch eine Registrierung schleppen, sondern auch noch ein Zusatzmodul für den Browser installieren muss, bevor es losgehen kann.
Bürosoftware
Chrome Web Store: Bürosoftware
Gut gefüllt sind bereit die Abteilungen für Produktivsoftware und Software-Werkzeuge. Bildbearbeitung, Diagrammerstellung, Tabellenkalkulation und Textverarbeitung sind dort zuhauf vertreten. Ebenso Wetterdienste und Karten-Apps. Sogar ein Menstruationskalender lässt sich flugs finden.
Vieles davon, aber nicht alles ist kostenlos. Zudem zeigen sich hier zwei Eigenheiten des Chrome Web Store, denen man künftig wohl öfter begegnen wird. Das ist zum einen die Anbindung vieler Apps an das Google-Konto des Nutzers. Zwar wird man immer brav gefragt, ob man der App denn auch Zugriff auf seine Daten gewähren will, aber wer das verneint, kann seine Ausflüge in Googles Softwareshop eigentlich gleich bleiben lassen. Zu sehr hängen viele davon an den Datenlagern der Suchmaschine.
Das zweite sind In-App-Käufe. Selbst kostenlose Apps können sich als Groschengrab entpuppen, wenn man nach der Installation feststellt, das nur die Grundfunktionen kostenlos nutzbar sind, aber jedes Extra mit einem Griff ins Portemonnaie entlohnt werden muss.
Das Killer-Feature
Chrome Web Store: Das Killer-Feature
Webshops wie die von Google laden zu schnellen Spontankäufen ein. Die Summen sind gering, die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte. Dass man überhaupt Geld ausgegeben hat, merkt man oft erst Wochen nach dem Einkauf, wenn das Kreditkartenunternehmen das Girokonto belastet.
Oft genug aber kauft man auf diese Weise auch Sachen, die sich bei näherem Hinsehen als Niete entpuppen. Das ist ja eben das Problem bei digitalen Gütern, die man vor dem Kauf nicht ausprobieren kann. Erst nachdem man die Katze im Sack gekauft hat, wird der Fehlkauf bewusst.
Gegen solche Enttäuschungen hat Google eine 30-Minuten-Frist in seinen Shop eingebaut: Wer innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Kauf feststellt, dass die erworbene Software doch nicht ganz dem entspricht, was man sich darunter vorgestellt hat, kann die App problemlos und einfach zurückgeben. Ein Mausklick genügt, mehr ist nicht nötig. Die Kreditkarte wird dabei gar nicht erst belastet.