Offener Brief Apple-Chef verspricht den Schutz von Nutzerdaten
Apple-CEO Tim Cook: Nutzerdaten gehören nicht zu Apples Geschäftsmodell
Foto: Stephen Lam / REUTERSCupertino - Jeder Skandal schadet dem Ruf, aber dieser kam aus Sicht der Apple-Chefetage zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Anfang September hatten Hacker private Nacktbilder einiger Hollywoodstars aus deren Online-Datenspeichern bei Apple kopiert und im Netz veröffentlicht. Offensichtlich bereitete das Unternehmen zu dieser Zeit gerade eine Sicherheitsoffensive vor, in Verbindung mit dem iPhone-Betriebssystems iOS 8. Jetzt hat der Konzern einen offenen Brief veröffentlicht, in dem Firmenchef Tim Cook die Bemühungen schildert, um die Daten der Apple-Nutzer zu schützen. Als nicht vertrauenswürdig wahrgenommen zu werden, könnte einem Unternehmen wie Apple dauerhaft schweren Schaden zufügen.
Cook hatte sich zu diesem Thema bereits vor wenigen Tagen in einem TV-Interview geäußert. Damals erklärte er, Apples Geschäftsmodell beruhe nicht darauf, Informationen über seine Kunden zu sammeln. Apple verdiene Geld mit dem Verkauf von Geräten, nicht mit dem von Nutzerdaten. Der Apple-Chef griff damit direkt Konkurrenten wie Google an.
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Auch der Apple-eigene Anzeigendienst iAd, der Anzeigen in iPhone-Apps platziert, würde keine Nutzerdaten sammeln, um eine gezielte Platzierung von Werbung zu ermöglichen, schreibt Cook. Das Angebot sei eingeführt worden, um App-Entwicklern eine zusätzliche Einnahmequelle zu geben. Das System habe aber beispielsweise keinen Zugriff auf das Surfverhalten, Kontaktdaten oder E-Mails, könne also nicht genutzt werden, um Nutzerprofile zu erstellen.
Ähnlich erklärt Cook die Einrichtung von Online-Angeboten wie den Web-Speicher iCloud. Sie würden nur dazu dienen, die Hardware-Produkte des Unternehmens attraktiver zu machen und nicht etwa, um Anwenderprofile zu erstellen. Erst vor wenigen Tagen hatte Apple für iCloud eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung wieder eingeführt, die die Sicherheit von in der Datenwolke abgelegten Back-ups erhöhen soll.
Kein Zugriff: Grafische Darstellung der Verschlüsselung von Chat-Daten
Foto: AppleDas am Mittwoch veröffentliche Software-Update iOS 8 für iPhones, iPads und iPod Touch schütze Privatsphäre und Nutzerdaten zudem noch besser als dessen Vorversionen. Um Anwendern nahezubringen, welchen Aufwand Apple getrieben hat, um das zu erreichen, stellte das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag eine Website ins Netz, auf der einige der Sicherheitsfunktionen von iOS 8 erklärt werden. Das neue Betriebssystem soll es etwa unmöglich machen, Daten aus einem gesperrten iPhone auszulesen, ohne den Passcode zu kennen - selbst für Strafverfolger. "Es ist uns technisch unmöglich, auf Durchsuchungsbefehle zum Auslesen dieser Daten zu reagieren, wenn diese Geräte mit iOS 8 betreffen", teilte Apple mit.
Für Kunden, die es genauer wissen wollen, wurde zudem ein 43-seitiges Dokument veröffentlicht (PDF) , das die Funktionen zur Sicherheit und zum Schutz der Privatsphäre im neuen iOS erläutert. Der Inhalt ist allerdings so detailliert und technisch, dass die Zielgruppe in erster Linie Software-Entwickler und Systemadministratoren sein dürften.
Zeitgleich stellte Apple seinen aktuellen Bericht zur Zahl von Behörden-Anfragen online. Cook nutzt die darin enthaltenen Informationen, um zu betonen, wie aussichtslos es sei zu versuchen, verschlüsselte Nutzerdaten von Apple anzufragen. Schon in seinem TV-Interview hatte er erklärt, Apple sei beispielsweise technisch nicht in der Lage, Behörden Chat-Daten seiner Nutzer auszuhändigen, weil diese mit einem Schlüssel gesichert seien, auf den der Konzern kein Zugriff habe.
Interessant ist dabei, dass Apple nur in zwei Ländern Nutzerdaten auf einen Durchsuchungsbefehl hin herausgab. In den USA waren 155 Accounts betroffen, in Großbritannien einer. Die Zahl der Behördenanfragen mit Bezug zur nationalen Sicherheit beziffert Apple mit 0 bis 249. Genauer darf das Unternehmen dazu keine Auskunft geben.
Zum Vergleich: Seinem eigenen Transparenzbericht zufolge gab Google im ersten Halbjahr 2014 in knapp 10.000 Fällen Nutzerdaten heraus - allein in den USA. Betroffen waren davon insgesamt über 20.000 Accounts. Allerdings hat Google dank seines populären E-Mail-Dienstes Gmail vermutlich auch Zugriff auf weit mehr strafrechtlich relevante Informationen als Apple. Auch in Dutzenden anderen Ländern - darunter auch Deutschland - gab Google Informationen an Behörden weiter.