Apple iTunes vor dem Europa-Start
Da rauscht es mächtig im Gerüchtewald, doch selten rauschen die Blätter so einheitlich: Der lang erwartete Europa-Start des Apple-Musikdienstes iTunes steht offenbar unmittelbar bevor. Für den 15. Juni wurden Pressevertreter vom Unternehmen nach London eingeladen, und dass es bei der Präsentation um Musik geht, ist kein Geheimnis.
Wenn Apple-Chef Steve Jobs dort nicht den Start des Angebotes verkündet, gilt zumindest die Nennung eines konkreten Starttermins als kleinster denkbarer Anlass für die aufwändige Veranstaltung.
Denkbar ist jedoch, dass Apple wie seine Konkurrenten von Sony und Roxio zunächst nur in Großbritannien startet: Das dortige Copyright angelsächsischer Prägung macht die Verhandlungen mit der Musikindustrie offenbar leichter. Bekannt ist, dass Apple einen Europastart schon früher angedacht hatte und sich seitdem in Verhandlungen mit den notorisch prinzipienstarken europäischen Musikindustrie-Lobbys reibt, denen nach wie vor eine gemeinsame Clearingstelle für Rechte und Lizenzen fehlt. So müssen Onlinehändler wie Apple mit Labels, Verlagen, Autorenvertretern und Verwertungsgesellschaften verhandeln, bevor sie deren Ware anbieten können.
iTunes: Hoffnungsträger und Konkurrent
Auf Apple wartet die kommerzielle Downloadwelt auch in Deutschland. Der iTunes-Dienst gilt als erstes erfolgreiches und nach wie vor erfolgreichstes Kommerz-Angebot auf dem kleinen, aber heftig umkämpften Markt. In den USA war Apple vor mehr als einem Jahr ein fulminanter Start gelungen, der weltweit den Standard setzte, an dem sich die Konkurrenz messen muss.
Apple war gelungen, woran etwa Phonoline scheiterte: Die Einführung eines Bezahldienstes für Musikdownloads als positives Event zu verkaufen. So marginal die Einkünfte aus Downloads auch sind, iTunes ist ein Modell, mit dem die Musikindustrie auch in Deutschland große Hoffnungen verbindet.
Ihre eigenen Bemühungen, Downloads kostenpflichtig an den Kunden zu bringen, sind dagegen weiterhin von Querelen gezeichnet. So berichtet die "Financial Times Deutschland", dass die Vertreter der Musikindustrie mit den Leistungen des technischen Partners T-Com sehr unzufrieden seien. Selbst eine Einstellung des gemeinsamen Projektes würde erwogen.
Besonders unzufrieden seien die Musikmanager mit der "mangelhaften Titelsuche" bei den Phonoline-Diensten, für deren Optimierung T-Com viel zu lange gebraucht habe. Die Suchmaske ist tatsächlich berüchtigt dafür, selbst Inhalte erfolgreich zu verstecken, die eigentlich in der Datenbank vorhanden sind. Nun soll T-Chef Kai-Uwe Ricke überlegen, das Projekt an T-Online zu geben, um die Kooperation zu retten.
Juristischer Rückenwind
Derweil hat offenbar die im Frühjahr angekündigte Klagewelle gegen Nutzer der P2P-Börse KaZaA begonnen. In den letzten Tagen soll es sogar zu Hausdurchsuchungen bei Tauschbörsennutzern gekommen sein. Erste Betroffene berichten von "pauschalen Forderungen" in Höhe um 10.000 Euro.
Apple wird's freuen: Die juristischen Schritte gegen P2P-Nutzer sind nicht zuletzt als Starthilfe für die kommerziellen Dienste gedacht. iTunes ist für den Wettbewerb zudem sehr gut aufgestellt und verfügt im Augenblick über den größten Katalog downloadbarer Songs, der neben den Stücken der großen Plattenfirmen auch das Angebot zahlreicher Indy-Labels sowie Schallplatten-Raritäten, die lange "out of print" waren, zu bieten hat.
Für den Sommer wird auch die Freischaltung der Online-Stores von Sonys Connect und Roxios Napster in Deutschland erwartet.