Apples TV-Pläne: Hollywood ziert sich - DER SPIEGEL
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Apples TV-Pläne Hollywood ziert sich

Die Pläne von Steve Jobs, nach Musik bald auch Filmdownloads zu iTunes-typisch günstigen Konditionen anzubieten, treffen in der Filmindustrie auf ein mehr als verhaltenes Echo. Die Studios zögen es vor, das Geschäft selbst zu machen - zumindest aber zu ihren Konditionen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wo Apple draufsteht, da soll Usability drin sein, so wünscht sich das Apple-Chef Steve Jobs: Die Produkte und Services des Konzerns glänzen vor allem dadurch, dass sie ihren Nutzern Bequemlichkeit und Freiheit bieten wollen. Das soll auch für Filmdownloads gelten, die Apple verschiedenen Medienberichten zufolge ab Herbst 2007 plant. Apple wird dafür das Rad nicht neu erfinden müssen: Der Markt mit Online-Filmverleih, Video on demand, IPTV und Web-TV keimt bereits kräftig. Was Apple seinen Kunden seinen Kunden also vor allem Neues anbieten könnte und möchte, wären besonders bequeme, günstige Konditionen.

Denn bisher wird das Film-Downloadgeschäft vor allem dadurch gehemmt, dass es ein ziemlich teurer Spaß ist. Die Studios, die in den USA ihre Produkte via Amazon, CinemaNow oder MovieLink anbieten, verlangen dafür recht stolze Preise - und binden den Konsum der digitalen Ware an rigide Auflagen. Gemeinhin muss man den Film innerhalb eines kurzen Zeitfensters sehen, er ist an den Rechner gebunden, kann und darf nicht auf andere Medienträger gespeichert werden und kostet im Onlineverleih mit Preisen um fünf Dollar oft deutlich mehr, als wenn man ihn sich physisch in einer Videothek ausleihen würde.

Apples Pläne sehen da deutlich anders aus. Satte 30 Tage soll der Film für den Leiher nutzbar sein, und natürlich sollen ihm die iTunes-üblichen Freiheiten geboten werden - die Übertragung auf andere Rechner und den iPod inklusive. Dass Apple seit einiger Zeit gegen ein zu starkes DRM drückt und deshalb die Verhinderung von Raubkopien erschweren würde, stößt ihr zudem auf. Der Hauptknackpunkt aber dürfte der von Apple angeblich anvisierte Preis für die Leihvideos sein: Ähnlich wie bei den Musikdownloads ziele Apple auf günstige Pauschalpreise von nur 2,99 Dollar, lancierten anonyme Quellen aus der Filmindustrie.

Lanciertes Gerücht als Verhandlungshilfe?

Denn das ist das eigentlich Pikante: Von Apple gibt es bisher keine Bestätigung, dass ein solcher Dienst überhaupt geplant ist. Die Informationen kommen aus den viel zitierten "eingeweihten Kreisen", die auf laufende Verhandlungen Apples mit den großen Studios verweisen. Informationen über die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen gingen an die "Financial Times". Bisher verleiht Apple in den USA nur Produktionen der Firmen Disney, Paramount und einige von Metro-Goldwyn-Mayer.

Ob die anderen großen Studios sich nun auf einen Deal mit Apple einließen, hätten allein diese zu entscheiden, zitiert die "FT" einen anonymen Informanten. Dahinter stehen offenbar vor allem Bedenken, sich mit einem Player einzulassen, der bereits einer anderen Sparte der Entertainment-Industrie die Preise und Geschäftsbedingungen diktiert.

Durchaus gegen Widerstände der Musikindustrie hat Apple in den letzten Jahren Pauschalpreise für Musikdownloads durchgedrückt, mit denen die Branche nicht unbedingt glücklich ist. Doch Apple ist marktbeherrschend: Der Weltmarktanteil des iTunes Store wird nach wie vor auf über 70 Prozent geschätzt. Versuche von Industrie wie konkurrierenden Shops, da mit höheren Preisen gegenzuhalten, sind nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Auch Versuche der Branche, Apple zumindest zu flexibleren, gestaffelten Preisen zu überreden, scheiterten.

Anders als die Musikindustrie im Jahr 2003, als der damals noch iTunes Musicstore genannte Downloadshop online ging, scheint die Filmbranche jedoch in einer besseren Ausgangslage zu sein. Es gibt einige bereits leidlich etablierte Player am Markt, die Studios selbst basteln teils in Kooperation mit neuen Playern wie BitTorrent an eigenen Vertriebskanälen, Video-on-demand-Services in Erweiterung bestehender Pay-TV-Konzepte sind in Mache und auch werbefinanzierte Web-TV-Modelle bedeuten für Video-Downloads eine zunehmende Konkurrenz.

Man kann, aber muss die offenbar lancierte Information also nicht unbedingt als Teil des Pokerns in den Verhandlungen mit Apple verstehen. So oder so ist das Signal klar: Angewiesen sind die Filmbosse nicht auf Apple - aber ganz unattraktiv wäre ein Erschließen des Massenmarktes iTunes offenbar auch nicht.

pat/AP/rts

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