Atom-Spionage: Chinesische Hacker dringen in Los Alamos ein - DER SPIEGEL
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Atom-Spionage Chinesische Hacker dringen in Los Alamos ein

Hacker eines Pekinger Forschungsinstituts sind in das amerikanische Atomforschungszentrum Los Alamos eingebrochen und haben eine Reihe von hochsensiblen Dokumenten gestohlen.
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Die ganze Sache ereignete sich bereite Ende 1998 oder zu Beginn 1999, wurde bislang aber geheim gehalten, berichtet die "Washington Times".

Der Datenklau in Los Alamos sei von einem Computerspezialisten der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) bereits Anfang vergangenen Jahres aufgedeckt worden, so die "Washington Times" unter Berufung auf einen anonymen NSA-Beamten. NSA-Spezialisten verfolgten die Spur zurück bis zu einem Pekinger Forschungsinstitut. Mehr Details über dessen Identität wurden allerdings nicht preisgegeben.

Suchbegriff "nuclear"

"Sie (die Chinesen) haben sich Dokumentenstapel in der Höhe von drei Fuß geholt," erklärte der Beamte. Die Eindringlinge wären über die FTP-Gateways verschiedener amerikanischer Universitäten eingedrungen. Auf FTP-Seiten werden oft Informationen aufbewahrt, die über direkte Einwahl rasch und komplett ausgetauscht werden können.

Ein gemeinsamer Bericht von FBI und CIA an den Kongress erwähnt den neuen Angriff aus Peking allerdings mit keinem Wort. NSA-Sprecher Fred Lash wollte keinen Kommentar zur Rolle der Sicherheitsbeamten bei der Aufdeckung des Falles geben.

Der Sprecher von Forschungslabor Los Alamos, Jim Danneskiold, bestätigte, dass man immer wieder unter breitangelegten Computerangriffen gestanden habe, gab aber ebenfalls keinen Kommentar zu diesem Fall ab. "Natürlich hatten auch wir massive Angriffe in der Zeit von Moonlight Maze," berichtete er. "Moonlight Maze" ist der Codename für die Serie von weltweiten Computerangriffen auf das Verteidigungsministerium, die zwischen Januar und März 1999 gezielt in großer Anzahl stattfanden.

Während einer zehnmonatigen Phase in den späten neunziger Jahren erfassten die Sicherheitsbeauftragten 792 Angriffsversuche, davon 324 von außerhalb der Vereinigten Staaten. Viele der Attacken seien von ausländischen Geheimdiensten ausgegangen, die versuchten, an Kernforschungsergebnisse oder anderes geheimes Material aus Technik und Wissenschaft heranzukommen.

Dieser Fall illustriere, dass ausländische Regierungen noch immer sehr massiv nach Erkenntnissen der amerikanischen Kernwaffenforschung fahnden würden. Es sei ein klarer Fall von regierungsgestützter Spionage, die auch das chinesische Militär seit Jahren kultiviere, sagte ein Regierungsbeamter.

China offenbar besonders aggressiv

Ein Beamter der Spionageabwehr sagte, dass solche computerbasierte Informationen sehr wertvoll für die Kernforschung dieser Länder seien. Damit sparten sie sich extrem viel Geld und Zeit. China sei in dieser Hinsicht besonders aggressiv und hätte allein in den neunziger Jahren mehr als 50 Mal versucht, an einschlägige Informationen heranzukommen.

Zweimal wurden auch chinesische Wissenschafter, die in den USA tätig waren, der "unsachgemäßen Behandlung" geheimer Dokumente überführt, so eine euphemistische Umschreibung von Industriespionage. Der ehemalige Los-Alamos-Wissenschafter Wen Ho Lee wartet auf seinen Prozess. Seine Verhaftung deckte auch die vielseitigen Bemühungen Chinas in der Sache auf.