Aufklärungs-Kampagne Netter Chatter, Kinderfänger?
Das Internet ist groß und schön und lustig und nützlich und lehrreich und finster und schmuddelig und voller Verrückter, Krimineller, Pädophiler - kurzum ein Ort, an dem man Kinder im normalen Leben wohl kaum unbeaufsichtigt spielen lassen würde. Im wahren Leben, weiß der britische Innenminister Hilary Benn, hätte man schnell die passenden Worte parat, um ein Kind adäquat zu mahnen. "Gehe nicht mit Fremden!" wäre solch eine selbstverständliche Warnung, und die wäre auch fällig, wenn man ein Kind unbeaufsichtigt ins Web entlässt.
Meint Benn, gestützt durch aktuelle Studien. Fünf Millionen Minderjährige, kann man da erfahren, surfen in Großbritannien frei durch die Web-Weiten, rund die Hälfte von ihnen stürzen sich dabei mit Vorliebe in Chats. Dort, so war das Anfang 2002 in amerikanischen Studien zu lesen, wurde rund ein Fünftel aller surfenden Minderjährigen schon einmal sexuell belästigt. Das ist ein dehnbarer Begriff, der Umgangston im Web ist oft rau und schmutzig. Doch ohne jede Überbewertung solcher Studien sprechen auch die Erkenntnisse von Polizeiermittlern in aller Welt für sich: Längst gelten gerade Chats auch als Jagdgründe von Pädo-Kriminellen.
Vertreter von Kinderschutz-Organisationen rufen darum vermehrt nach einem flächendeckenden Monitoring für Chaträume. Die britische Regierung setzt dagegen zunächst auf Aufklärung. Eine Million Pfund lässt sie sich eine Werbekampagne kosten, über die grundlegende Sicherheitsvorkehrungen bei der Bewegung im Internet kommuniziert werden sollen. Benn in einem Interview mit der BBC: "Es geht nicht darum, Angst zu machen, sondern darum, unseren Kindern die Informationen an die Hand zu geben, die sie brauchen, um sich selbst schützen zu können".
Flankiert werden die Botschaften an die Kids mit Tipps für die Eltern, Kontaktmöglichkeiten für Kinder, die Fragen haben oder einen ihnen unheimlichen Vorgang anzeigen wollen. Die Kampagne ist zunächst für eine Laufzeit von einem Monat angesetzt und umfasst Online-Anzeigen, Radio- und Fernsehspots.