Ausgehoppelt Hacker Fluffi Bunni verhaftet
Fluffi Bunni, das unverschämte Kaninchen, genoß ein wenig Kultstatus: Wer auch immer dort hackte und Webseiten verfremdete, tat das oft weniger willkürlich als die meisten Defacer: Fluffi Bunni schien von einer inneren Wut getrieben, von einem Drang, seinen ganz besonderen Kommentar abzugeben.
Der bestand zumeist darin, dass er eine Website durch die Abbildung eines rosa Kaninchens ersetzte, ergänzt durch diverse mehr oder weniger wirre Mitteilungen. Kim Schmitz ließ er so wissen, dass dieser eben doch kein Hacker sei, Web-Securityfirmen rieb er unter die Nase, dass sie keine Ahnung hätten.
Chaot hin oder her - Fluffi Bunni spielte gern Robin Hood und wurde von vielen auch so gesehen. Gefürchtet wurde das Computer-Killer-Kaninchen vor allem wegen der Auswahl seiner Ziele: Die meisten von Fluffi Bunni erfolgreich attackierten Webseiten gehörten IT-Sicherheitsfirmen. "Das ist", kommentierte Mark Rasch, früher Cyber-Fahnder beim US-Justizministerium, "als ob jemand Banken überfiele, um zu beweisen, dass diese nicht genügend gesichert sind."
McDonalds und ähnliche Webseiten fegte Bunni dagegen nur gelegentlich, beiläufig und nebenbei aus dem Internet. Prominentestes deutsches Opfer war Harald Schmidt, der sich über die Verzierung seiner Website mit rosa Plüschhasen mit erigiertem Penis aber so freute, dass er das gleich zum Thema seiner Sendung machte: Ein Hack als Steilvorlage.
Rund eineinhalb Jahre war Bunni äußerst aktiv, dann verschwand er wieder: Ob hinter den Attacken wirklich nur eine Einzelperson oder eine Gruppe steckte, blieb genauso ungeklärt wie die Frage, was der Spuk denn nun sollte, und warum er so abrupt endete.
Fluffi Bunnis Verhaftung mag da Teil der Antwort sein. Seine Identität muss bekannt gewesen sein, denn offenbar warteten Fahnder auf einer Londoner IT-Sicherheitsmesse auf ihn, angeblich ausgerüstet mit einem Foto. Identifiziert wurde er nun als Lynn H., 24 Jahre jung und angeblich "Kopf der Gruppe", über die man noch nicht mehr verraten wolle, denn es könnten "weitere Zugriffe" bevorstehen.
Robin Hoods Sündenfall
Spätestens seit Ende 2001 galt Fluffi Bunni als einer der meistgesuchten Hacker überhaupt. Kurz nach dem 11. September übernahm Bunni in einem Massen-Defacement rund 1000 Webseiten und versah diese mit der Botschaft "Fluffi Bunni goes Jihad" und der Aufforderung "Wenn ihr das Internet wieder sehen wollt übergebt uns Mr. Bin Laden und fünf Millionen Dollar in einem braunen Papier-Sack".
Das und der dazugehörige 500-Worte-Text wurde von den Polizeibehörden nicht länger als eitle Aktion einer Spaß-Guerilla interpretiert, sondern als anti-amerikanischer Akt - und das FBI heftete sich an Bunnis Fersen. Der stellte kurz darauf seine Cyberattacken ein.
Lynn H. ist bereits der zweite Hacker, der im Verlauf der letzten zwei Jahre als angeblicher Kopf von Fluffi Bunni festgenommen wurde. Mindestens zwei weitere Website-Defacer behaupten von sich, der wahre Kopf der Kaninchen-Gruppe zu sein.