Weihnachtsangebot Krimineller wollte Zugang zu BBC-System verkaufen
BBC-Zentrale in London: Krimineller bot Zugangsdaten zum Verkauf
Foto: NEIL HALL/ ReutersMan erfährt viel darüber, wie der Internet-Untergrund funktioniert, wenn man sich ein wenig in Hacker-Foren aufhält: die Breite des Angebots, die irrsinnig große Menge an feilgebotenen Kreditkarten- und Zugangsdaten. Für Alex Holden, Inhaber der US-Sicherheitsfirma Hold Security , gab es zu Weihnachten trotzdem eine Überraschung.
Schon lange war er einem vermutlich russischen Hacker auf der Spur, der sich in Untergrund-Foren "Hash" oder "Revolver" nennt und regelmäßig Schätze aus seinen Datenraubzügen verkauft. Zu Weihnachten hatte er etwas besonderes im Angebot: Zugang zu einem Server der BBC. Zwar nur ein FTP-Server, über den üblicherweise Dateien verschickt und abrufbereit gehalten werden. Welche Funktion dieser Server bei der BBC hatte, ist unbekannt, aber trotzdem: Wer sich in die BBC hackt, hat potenziell eine als extrem vertrauenswürdig geltende Plattform für künftige Hack- oder Spam-Angriffe oder Möglichkeiten zur Manipulation von Aktienkursen, massiver Rufschädigung oder einfacher Sabotage-Scherze.
Holden stach dieses Angebot ins Auge, er informierte die BBC - und etwas später die Nachrichtenagentur Reuters . Derzeit sei nicht bekannt, heißt es dort, ob der oder die Hacker tatsächlich Daten gestohlen hätten. Das Sicherheitsproblem sei jedenfalls behoben, hat Reuters von einer Quelle erfahren. Offiziell heißt es bei der BBC: "Kein Kommentar zu Sicherheitsfragen."
Dabei sollte sich die BBC offenbar Gedanken um die Sicherheit machen. Mit mehr als 23.000 Mitarbeitern herrscht dort, wie in jeder Firma, ein erhebliches Risiko: Daten kommen abhanden, Lücken öffnen und schließen sich. Aber ausgerechnet der jetzt zugänglich gemachte Server war bereits vor drei Jahren Opfer eines Hack-Angriffs . Damals schöpfte ein Trojaner en masse Zugangsdaten für Server-Systeme ab: 68.000 solcher Datensätze waren im Netz abrufbar, darunter auch der jetzt betroffene FTP-Server der BBC.