Bertelsmann-Studie: Kaum jemand weiß, was ein Algorithmus ist - DER SPIEGEL
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Bertelsmann-Studie Kaum jemand weiß, was ein Algorithmus ist

Ampeln steuern, Paare zusammenführen und festlegen, welche Werbung man zu sehen bekommt: Das alles machen Algorithmen. Einer Studie zufolge weiß trotzdem kaum jemand, was es mit den Programmiergebilden auf sich hat.
Mit Formeln beschriebene Tafel
Mit Formeln beschriebene Tafel

Mit Formeln beschriebene Tafel

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa
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Fast die Hälfte der Deutschen kann mit dem Begriff Algorithmus nichts anfangen. So lassen sich die Ergebnisse einer Studie zusammenfassen, die von der Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch in Gütersloh vorgestellt wurden. Demnach haben drei Viertel der Befragten das Wort zwar schon einmal gehört, aber nur jeder Zehnte kann erklären, was Algorithmen eigentlich sind.

Fast die Hälfte weiß, dass im Internet mit der Hilfe der mathematischen Formeln zum Beispiel bei Facebook, Google und Twitter auf den einzelnen Nutzer zugeschnittene Werbung eingeblendet wird. Dass Algorithmen aber auch bei Bewerbungen und zur Diagnose von Krankheiten eingesetzt werden, weiß dagegen nur etwa ein Drittel der Deutschen.

Konkret beschreibt der Begriff Algorithmus eine Reihe von Anweisungen, die Schritt für Schritt ausgeführt werden, um ein Problem zu lösen oder eine Aufgabe zu bewältigen. Bei Suchmaschinen beispielsweise bestimmen Algorithmen, in welcher Reihenfolge die Treffer einer Websuche in den Ergebnislisten angezeigt werden.

Mehrheit gegen selbstbestimmte Algorithmen

Über die Transparenz von Algorithmen wird seit geraumer Zeit auch politisch diskutiert. So hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, zum Schutz der Verbraucher Algorithmen-basierte Entscheidungen, Dienstleistungen und Produkte überprüfbar zu machen, "insbesondere im Hinblick auf mögliche unzulässige Diskriminierungen, Benachteiligungen und Betrügereien".

Ob Algorithmen gut oder schlecht sind, dazu haben der Bertelsmann-Studie zufolge 46 Prozent der Deutschen keine Meinung. Allerdings empfindet eine Mehrheit ein großes Unbehagen, wenn Maschinen losgelöst vom Menschen über Dinge entscheiden sollen. 73 Prozent der Befragten fordern ein Verbot von sogenannten vollautomatisierten Entscheidungen, die ohne menschliche Beteiligung getroffen werden.

Die soziale Wirkung von Algorithmen

"Algorithmen bestimmen zunehmend über unser Leben. In Deutschland fehlt es an grundsätzlichem Wissen über den digitalen Wandel. Wir müssen dringend lernen, die Chancen und Risiken von Algorithmen richtig abzuwägen", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, zum Studienergebnis.

Details zur Erhebung

Die Stiftung weist in der Untersuchung daraufhin, dass Fehler von Algorithmen nicht Einzelne treffen, sondern eine Vielzahl von Menschen. Als Beispiel nennen die Autoren Algorithmen, "die Benachteiligungen reproduzieren und soziale Ungleichheit verstärken: wenn etwa Stellenanzeigen für Führungspositionen bei Google nur Männern, aber nicht Frauen angezeigt werden oder Bewerber aufgrund ihres Wohnortes oder psychischer Krankheiten systematisch aussortiert werden".

Geringes Vertrauen in Algorithmen

Nach Angaben der Studienautoren befürchten viele der Befragten, dass Algorithmen Programmierern zu viel Macht über das Leben von Menschen verleihen können und dass sich Algorithmen leicht manipulieren lassen. "Es besteht unabhängig vom Bildungsniveau oder Einkommen der Wunsch nach einer engmaschigeren Kontrolle", heißt es. "Unterm Strich denken nur 13 Prozent der Menschen in Deutschland, dass Algorithmen gerechtere Entscheidungen treffen als Menschen."

Die Skepsis der Deutschen wird in Brüssel geteilt. Die EU-Kommission kündigte im April an, darüber nachzudenken, Algorithmen als die wichtigsten Instrumente der Internetplattformen zu regulieren.

Für die Umfrage wurden im Januar 1221 Personen ab 16 Jahren vom Allensbach-Institut persönlich jeweils zwölf Fragen zum Thema Algorithmen gestellt.

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mak/dpa