Bertelsmann und BKA Mit Filtern gegen Nazi-Websites
"Wir wollen Eltern helfen, ihre Kinder besser vor rechtsextremistischen Inhalten im Internet zu schützen, deshalb begrüßen wir die Initiative der Bertelsmann Stiftung sehr", sagt Leo Schuster, Direktor beim BKA. Die Polizeibehörde entschloss sich, die 1999 von der Bertelsmann-Stiftung gegründete ICRA zu unterstützen, die über eine ständig aktuell gehaltene "Negativ-Liste" zum Jugendschutz im Internet beitragen will. Diese Liste ist nun erheblich länger: Neben den URLs bekannter Pornowebsites sind dort nun auch die dem Bundeskriminalamt bekannten Neonazi-Websites verzeichnet.
Erstmals soll das Filtersystem am 8. September 2000 auf einer Konferenz der Bertelsmann Stiftung präsentiert werden. Rund 80 Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen werden in Gütersloh erwartet, um über ihre Mitwirkung an dem ICRA-Filtersystem, das laufend verfeinert und weiterentwickelt werden soll, zu beraten: Im Frühjahr 2001 soll Eltern dann eine ganze Bibliothek an Filteroptionen zur Verfügung stehen.
"Mit diesen Adressen sind wir unserem Ziel, die gesellschaftliche Verantwortung im Internet zu sichern, deutlich näher gekommen", sagt Mark Wössner, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.
Mit dem ICRA-Filtermodell werde zum ersten Mal ein System geschaffen, mit dem auch für den deutschen Sprachraum jugendgefährdende und extremistische Internet-Inhalte gezielt ausgeblendet werden können. Marcel Machill, Projektleiter Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung: "Eltern können so das Risiko, dass ihre Kinder auf schädliche Seiten stoßen, minimieren. Gleichzeitig verhindern wir staatliche Zensur im Internet, denn es bleibt den Eltern überlassen, ob sie das Filtersystem aktivieren."
Tatsächlich steht das ICRA-Modell zunächst in der deutschen Tradition der "freiwilligen Selbstkontrolle": Die Anbieter von Internetseiten klassifizieren ihre Inhalte selbst - so wie ein Lebensmittelhersteller auf der Packung angibt, welche Zutaten in seinem Produkt sind. Das Ergebnis der Klassifikation wird in ein elektronisches Etikett "gegossen", das beim Internet-Surfen von den gängigen Browsern gelesen werden kann.
Ein System mit Stärken und Schwächen, und das ist auch seinen Entwicklern bewusst: Zwar ermöglicht ICRA mit diesem Ansatz sowohl die Blockierung nicht altersadäquater Seiten, als auch die Hinführung zu altersgerechten Angeboten - doch ICRA setzt dabei auf die Ehrlichkeit der Website-Betreiber.
Die man nicht in jedem Fall voraussetzen sollte. Deshalb wird dieser allgemeine Index erweitert durch so genannte "Negativlisten", vor allem mit Adressen aus dem pornografischen, und nun auch aus dem Neonazi-Sektor.
Der Erfolg solcher Filter-Konzepte - auch die bekannten Filterprogramme NetNanny, CyberPatrol oder CyberSitter funktionieren ähnlich - entscheidet sich aber letztlich am heimischen PC: Dort wird entschieden, welcher Nutzer Zugang zu welchen Angeboten erhalten soll.