Bild.T-Online Nahendes Ende einer Ehe?
"Skeptisch", berichtet "horizont", habe sich Nienhaus über die Zukunft des Joint Venture mit T-Online geäußert. Die Telekom-Abteilung, zeitweilig als outgesourcetes Unternehmchen an kurzer Leine geführt, inzwischen wieder voll in den rosa Riesen integriert, hält eine Beteiligung von satten 37 Prozent an dem erfolgreichen Web-Portal des Boulevardblatts.
Solche Ko-Ops gehörten für die Telekom einst zur Strategie: Zeitweilig hoffte T-Online, im Web zu einer Art Medienhaus mutieren zu können. Inzwischen setzten sie eher auf eine Rolle als Vertriebskanal und Dienstleister, treten mit Shops wie Musicload, Gamesload oder T-Online Vision aber auch als Verkäufer digital vertriebener Entertainment-Inhalte auf.
Sowohl Nielsen Netratings als auch ivw-Zählung weisen T-Online als rein quantitativ wohl erfolgreichstes deutsches Web-Angebot aus. Bei Springer wäre man augenscheinlich trotzdem lieber allein. Wörtlich sagte Nienhaus der Zeitung "horizont": "Die Kooperation ist erfolgreich. Ich hätte aber auch nichts gegen eine 100-prozentige Markenverantwortung."
Gerüchte darüber, dass Springer die Telekom möglichst bald aus dem Joint Venture herauskaufen wolle, kursieren seit längerem und werden von dem Verlag nicht kommentiert. Plausibel sind sie allemal: Vorteile in solchen Kooperationen sahen Medienhäuser nur so lang, wie online kein Geld verdient, dafür massenhaft investiert wurde.
Inzwischen haben Online-Umsätze Höhen erreicht, die schwarze Zahlen möglich machen. Das Joint Venture zwischen Springer und T-Online kam 2002 auf dem Höhepunkt der durch den Börsencrash verursachten Medienkrise zustande und löste die bereits 1996 begründete, von Springer bis dahin aber eher halbherzig gepflegte Online-Präsenz Bild.de ab. Seitdem firmiert das Portal formal unter www.bild.t-online.de , was den meisten Nutzern aber gar nicht bewusst sein dürfte.
Den Medienblogger Peter Turi inspirierte die im "horizont"-Interview verborgene kleine Nachricht schon zu der aussagekräftigen Spitzmarke "bild.t-offline". So schnell dürfte das allerdings nicht gehen, denn billig würde die Sache für Springer womöglich nicht: In eventuellen Ausstiegsverhandlungen könnte T-Online mit dem Pfund wuchern, dass Bild.de längst als größte Cash-Cow im Online-Portfolio des Springer-Verlages gilt.
pat