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Licht und Bildbearbeitung: Porträts mit Studiolicht

Foto: Alexander Heinrichs

Licht und Bildbearbeitung So gelingen Porträts mit Studiolicht

Studioporträts haben einen schlechten Ruf, gelten als langweilig oder zumindest schwierig umzusetzen. Das Magazin "Docma" zeigt, wie Sie mit nur wenigen Lichtquellen im Studio spannende Porträts inszenieren.
Von Alexander Heinrichs
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der große Vorteil der Studiofotografie liegt darin, dass der Fotograf das Licht exakt kontrollieren und fein einstellen kann. Genau das ist gleichzeitig aber auch die größte Herausforderung, denn ist das Licht nachlässig gesetzt, wirkt ein Studioporträt in der Tat schnell langweilig.

Weniger ist mehr

Das Vorbild für die Lichtsettings im Studio ist das Sonnenlicht, denn das entspricht unseren natürlichen Sehgewohnheiten. Deshalb sollte das Hauptlicht nie von unten kommen, sondern sich mindestens auf gleicher Höhe mit dem Kopf der Person befinden - besser noch etwas erhöht. Bevorzugen Sie annähernd runde Lichtformer wie den Normalreflektor, den Beautydish oder eine Octagon-Softbox, weil wir einen runden Reflex im Auge als natürlich empfinden. Und ganz wichtig: Eine Lichtquelle als Hauptlicht ist meist vollkommen ausreichend, denn wir haben ja auch nur eine Sonne.

Die ersten Bilder unserer Fotostrecke sind Beispiele für Porträts mit nur einer einzigen Lichtquelle. Trotzdem wirken sie alle unterschiedlich, und das liegt in diesem Fall in erster Linie an der Lichtrichtung.

Porträt muss nicht gleich Porträt sein

Wie kann der Fotograf im Studio seinen Porträts unterschiedliche Anmutungen verleihen? Entscheidenden Einfluss haben hier die Richtung des Lichtes, der Abstand der Lichtquelle und die Lichtqualität (also die Wahl des Lichtformers). Die drei ersten in der Bilderstrecke gezeigten Porträts sind gute Beispiele dafür, wie unterschiedlich das Model wirkt, wenn Sie einfach nur die Richtung des Lichtes ändern - von der frontalen Ausleuchtung an der weißen Wand, über das "Loop-Light", bei dem das Licht aus einem Winkel von 45 Grad sehr steil von oben auf die Person trifft, bis zum "Split-Light", bei dem das Licht genau von der Seite kommt. Und das ist der große Vorteil im Studio: Der Fotograf kann das Licht und damit die Wirkung des Porträts auf den Betrachter genau steuern.

Lieber hart oder lieber weich?

Viele Porträtfotografen arbeiten hauptsächlich mit einer großen Softbox, da diese ein sehr schmeichelhaftes Licht liefert. Allerdings hat eine Softbox auch den Nachteil, dass Farben und Kontraste im Bild verloren gehen. Möchten Sie also kontrastreiche Porträts mit satten Farben umsetzen, dann ist der Normal-Reflektor die richtige Wahl. Durch sein hartes Licht bekommt die Haut automatisch einen plastischen "Dodge & Burn-Effekt", ohne dass Sie diesen mühsam in Photoshop einfügen müssen, wie im Bild unten. Die Wahl des richtigen Lichtformers hat also einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung des Bildes. Wer sich nur auf das weiche schmeichelnde Licht einer Softbox beschränkt, vergibt also eine Fülle von kreativen Möglichkeiten.

Foto: Alexander Heinrichs

Das klassische Beauty-Porträt im Studio

Bei klassischen Personenaufnahmen kommt im Studio meist mehr als nur eine Lichtquelle zum Einsatz. Bild 6 unserer Fotostrecke zeigt eine solche Aufnahme: Eine frontale, oben angebrachte Lichtquelle wie Beautydish oder Softbox beleuchtet das Model von vorn, ein Reflektor auf Hüfthöhe vor dem Model hellt die Schatten auf, und zwei Striplights betonen als Zange von schräg hinten die Konturen des Models. Optional können Sie den Hintergrund mit einem weiteren Blitz aufhellen, um diesen etwas lebendiger zu gestalten - falls er nicht wie in diesem Beispiel schwarz sein soll. Auch hier bietet sich natürlich eine Fülle von Möglichkeiten, dieses Set zu variieren, sei es durch die Richtung des Hauptlichtes oder durch die Lichtqualität.

Foto: Alexander Heinrichs

Hintergrund macht Bild gesund

Diesen Spruch kennt man in Bezug auf den Vordergrund eher aus der Landschaftsfotografie, gerade im Studio hat man aber meist das Problem des eintönigen Hintergrundes. Dagegen setzen Sie entweder zusätzliche Blitze auf den Hintergrund ein, um einen radialen oder linearen Farbverlauf zu erzeugen, oder Sie überlegen sich, was sich im Studio eventuell noch als Hintergrund eignen könnte. Das kann ein Aufzug sein, eine alte Mauer oder wie in Bild 8 unserer Fotostrecke, ein aufgespannter silberner Schirmreflektor, der einen spannenden Hintergrund erzeugt.

Foto: Alexander Heinrichs

Spannung durch Offenblende

Das Porträt, dessen Bearbeitung wir Ihnen nun erläutern, zeigt, wie spannend es sein kann, auch im Studio mit offenblendigen Objektiven zu arbeiten. Blendenwerte von f/1,4 bis f/2,8 sorgen für einen interessanten Verlauf von Schärfe zu Unschärfe im Bild. Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn auch ein Vordergrund und ein Hintergrund vorhanden sind, die jeweils in der Unschärfe verschwinden können. Deshalb wurden für dieses Porträt Aluminium-Traversen sowie Stahlketten im Hintergrund drapiert; die Aufnahme erfolgte durch eine senkrecht stehende Traverse hindurch. Die Ausleuchtung ist wieder eher klassisch: eine Softbox von oben, ein Silberreflektor von unten sowie zwei Flächenleuchten für die Alu-Traversen im Hintergrund. Um dem Bild einen zusätzlichen Farbkick zu verpassen, wurden die Traversen im Vordergrund mit einer LED-Leuchte mit blauer Farbfolie angeleuchtet. Durch ihre Aufhellung engten sie außerdem das Porträt nicht ein.

Foto: Alexander Heinrichs

Die Aufnahmedaten für dieses Porträt waren f/1,8; 1/100 s bei ISO 100 (Sony 7RII mit Zeiss-Batis 85/1.8).

Fazit

Studioporträts müssen nicht langweilig sein. Im Gegenteil, nur im Studio hat der Fotograf alle Lichtquellen im Griff und kann diese gezielt einsetzen. Wichtig ist dabei nur, die Kreativität zu bewahren und immer wieder neue Licht-Set-ups auszuprobieren anstatt sich nur auf den klassischen Lichtformer - die Softbox - zu beschränken.

Gefunden in

DOCMA 70

Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

Mai/Juni 2016

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