"Blueborne" Forscher warnen vor Hackerangriffen per Bluetooth
Bluetooth-Verbindung
Foto: SPIEGEL ONLINEWer Bluetooth nicht braucht, sollte es lieber deaktiviert lassen. Das legt eine unter dem Namen "Blueborne" vorgestellte Sammlung von Sicherheitslücken nahe. US-Forschern zufolge könnten kriminelle Hacker dank "Blueborne" Bluetooth-Verbindungen auf Smartphones, Smartwatches und PC ausnutzen, um Erpressersoftware zu installieren, Fotos auszulesen und das Gerät sogar zu steuern. Nach Angaben der Sicherheitsfirma Armis sind weltweit mehr als fünf Milliarden Geräte anfällig für diese Angriffe, sofern bei ihnen Bluetooth aktiviert wird.
Die Attacke verläuft demnach völlig unsichtbar. Der Angreifer muss zwar in der Nähe sein, aber die Geräte nicht standardmäßig koppeln. Es genügt, wenn das Opfer auf seinem Smartphone die Bluetooth-Funktion aktiviert hat und das Gerät ständig nach neuen Verbindungen in der Nähe sucht.
Würde es Angreifern gelingen, Schadsoftware auf dem Smartphone zu installieren, könnte das Zielgerät grundsätzlich auch dafür missbraucht werden, weitere Telefone zu infizieren, heißt es. So ein Wurm wäre hochinfektiös. Denn Bluetooth ist eine der am meisten benutzten Funktechniken, um Geräte auf kurze Distanz miteinander zu verbinden. Sehr viele technische Geräte wie Freisprecheinrichtungen, Kopfhörer, Smartwatches, Pulsmesser und Wohnzimmer-Assistenten wie Amazon Alexa und Google Home nutzen Bluetooth, um Daten zu übertragen.
In einem Beispielvideo zeigen die Armis-Forscher, wie ein Angriff per "Blueborne" aussehen könnte. Sie kapern das Google-Smartphone Pixel über eine Bluetooth-Verbindung. Der Angreifer übernimmt dabei vollständig die Kontrolle über das Telefon, knipst ein Foto der Nutzerin und lädt sich das Bild auf seinen Rechner.
YouTube-Video zur Attacke
Armis hatte die Betriebssystem-Entwickler bei Microsoft, Apple, Samsung und Google bereits im April über die Gefahr informiert. Am Dienstag hat daraufhin sowohl Microsoft als auch Google einen Patch veröffentlicht.
Bei Android-Smartphones bedeutet das Update allerdings nicht automatisch, dass die aktuelle Version die Sicherheitslücke beseitigt. Es kommt auf den Hersteller an, ob das September-Update an die Nutzer weitergeleitet wird. Um zu prüfen, ob das eigene Android-Smartphone von den "Blueborne"-Problemen betroffen ist, bietet Armis eine App in Googles Play Store an .
iPhones und iPads sind immun gegen den Angriff, wenn iOS 9.3.5 oder eine spätere Version auf dem Gerät installiert ist. Samsung hat laut den Forschern bisher nicht auf den Gefahrenhinweis reagiert. Bei dem Elektronikkonzern sind laut Armis unter anderem Galaxy-Smartphones betroffen, Smart-TVs und die Smartwatch Gear S3.
Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor der Schwachstelle. Das BSI empfiehlt, die verfügbaren Updates so schnell wie möglich zu installieren und die Bluetooth-Verbindung nicht dauerhaft einzuschalten, sondern nur dann zu aktivieren, wenn sie wirklich gebraucht wird.