Mikro-Virtualisierung US-Firma will Computer unverwundbar machen
Viren, Würmer und Trojaner sind ein lästiges und gefährliches Übel der Computerbranche. Wenn es ihnen gelingt, die von Schutzprogrammen errichteten Barrieren zu überwinden, können sie das System beschädigen, Dateien löschen, Daten stehlen oder dem Computer für eigene Zwecke missbrauchen. Solchen Angriffen will das US-Start-up Bromium mit einer Software namens vSentry ein Ende setzen.
Dabei setzt das Unternehmen auf ein Verfahren, das vollkommen anders funktioniert als herkömmliche Schutzmethoden. Gängige Anti-Virenprogramme etwa basieren auf einer Liste bekannter Schadprogramme, deren digitale Fingerabdrücke sie erkennen und erkannte Schädlinge an der weiteren Ausbreitung hindern oder sie beseitigen können. Darüber hinaus können gute Schutzprogramme auch bisher unbekannte Angreifer anhand typischer Verhaltensweisen aufspüren und stoppen. Vollkommene Sicherheit gegen neue Bedrohungen können sie freilich nicht bieten.
Die Bromium-Software geht beim PC-Schutz einen anderen Weg. Sie soll in der Lage sein, auch völlig fremde Attacken abzuwehren. Gelingen soll das, indem jede Aufgabe, die der PC ausführt, in eine sogenannte virtuelle Maschine ausgelagert wird. Solche virtuellen Maschinen sind normalerweise komplette, in Software nachgebildete Computer, samt Betriebssystem.
Virtuelle Mini-Maschinen
In Rechenzentren wird diese Technik genutzt, um auf einem Server diverse virtuelle Computer laufen zu lassen, die man verschiedenen Kunden beispielsweise als Webserver vermieten kann. Der Anwender selbst kann den Unterschied zwischen echtem und virtuellem Computer in der Regel nicht erkennen.
Bromium hat diese Technik abgewandelt und setzt als Micro-VM bezeichnete Mikro-Virtualisierungen ein. Statt eines ganzen Computers bilden diese nur die Arbeitsumgebung für einzelne Prozesse ab. Sobald man also beispielsweise in einer E-Mail auf einen Link klickt, wird dafür ein neuer Prozess gestartet, der in seiner eigenen Micro-VM läuft. Diese Mini-Maschinen seien leichter kontrollierbar als echte virtuelle Computer, so dass man gefährliches Verhalten schnell erkennen könne.
Trojaner im Glaskasten
Vor allem aber haben die Mikro-VMs keinen direkten Zugriff auf die Hardware. Sollte sich also beispielsweise ein Schädling über einen manipulierten Weblink auf dem Rechner einnisten wollen, hat er keine Chance, dem Computer Schaden zuzufügen. Wie in einem Glaskasten ist er in der Micro-VM eingesperrt, kann die ihn umgebende Hardware zwar sehen, aber eben nicht auf sie zugreifen, er ist isoliert. Das Beste dabei: Sobald man das Fenster schließt, in dem der Prozess läuft, wird der Schädling aus dem Speicher gelöscht.
Die Software soll auch erkennen können, wenn in einzelnen Prozessen plötzlich ungewöhnliche Aktivitäten ablaufen, die auf einen Angriff hindeuten. Wenn also etwa eine Website, die der User ansurft, ungefragt eine ausführbare Datei auf den Rechner kopieren und starten will, deutet das auf eine sogenannte Drive-by-Infektion hin - und wird unterbunden. Was als normal und was als verdächtig gilt, sollen Systemadministratoren in der Software mit selbst angepassten Richtlinien festlegen können.
Auch deshalb bietet Bromium sein Produkt ausschließlich Firmenkunden an. Man richte sich an "Unternehmen, die Unsummen an Geld oder vertrauliche Daten verlieren würden, sobald sie gehackt werden", sagt Simon Crosby, einer der Bromium-Gründer, auf Anfrage. Vorerst sei das System nur für Windows-PC erhältlich, eine Version für Apples OS X sei geplant. Für private Anwender sei die Software - vorerst - nicht erhältlich. Auch Preise nennt der Hersteller bisher nicht.
Noch sollte man dem Angebot allerdings auch skeptisch gegenüberstehen: Unabhängige Tests, ob vSentry hält, was der Hersteller verspricht, gibt es bisher noch nicht.