Bund offline: Hat hier jemand E-Government gesagt? - DER SPIEGEL
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Bund offline Hat hier jemand E-Government gesagt?

Ehrgeizige Pläne brauchen einfach genügend Vorlauf: Bis zum Jahr 2005 will die Bundesverwaltung mehr als 1200 Dienstleistungen online anbieten. Zum Glück bleibt dem Bund noch viel Zeit zum Lernen.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Fehlstart war geradezu klassisch: Da präsentierte Innenminister Otto Schily zum Cebit-Beginn das mit großen Vorschusslorbeeren gestartete Internetportal des Bundes  - und nichts passierte. Pünktlich zum offiziellen Launch war der Regierungsserver nicht erreichbar.

Ein böses Omen? Verfassungsfeinde? Oder einfach nur Beamte, die alles Neue und Moderne (ob nun bewusst oder unbewusst) torpedieren? Wer weiß. Dabei hatte Schily kurz zuvor noch über sein Redemanuskript gescherzt: "Hier steht: Minister schaltet das Angebot frei, aber natürlich macht das die Dame nebenan." Die Dame versuchte, doch sie konnte nur Seiten von der lokalen Festplatte aufrufen.

Trotzdem: Ein erster Blick auf das neue Portal, das in Aussehen und Aufbau stark den gängigen Web-Katalogen wie Yahoo! oder Web.de ähnelt, verläuft nicht allzu enttäuschend. In rund ein Dutzend Kategorien gegliedert, kommt die Seite ohne viel grafischen Schnickschnack daher. Eine Suchmaschine greift auf alle Internetseiten des Bundes zu.

Herzstück des Portals soll, so Schily in Hannover, ein "redaktionell aufbereiteter und laufend aktualisierter" Katalog der Internetangebote der Bundesverwaltung sein. Noch sind das überwiegend Webseiten, doch das soll sich, geht es nach den Wünschen des Innenministers, bald ändern.

Mehr als 1200 Dienste will der Bund bis zum Jahr 2005 über sein Portal zugänglich machen. Dabei soll, das hat Bundeskanzler Schröder am Vortag der Computermesse noch einmal klargestellt, jede Internet-taugliche Dienstleistung auch online angeboten werden. Schröder: "In ein paar Jahren wird kein Student mehr beim Bafög-Amt anstehen müssen."

Die Nachfrage scheint vorhanden. So hat allein die Homepage der Bundesregierung im Januar rund 30 Millionen Zugriffe verzeichnen können, wie Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Rande der Cebit verkündete.

Effizienz, Effektivität, Bürgernähe - unter diesen drei Schlagworten fasst Schily das Internet-Engagement des Bundes zusammen. Nach den gesammelten Informationen zum Start sollen in einem nächsten Schritt eine "Zuständigkeitssuche" und "Pakete für bestimmte Nachfragesituationen", dahinter verbergen sich beispielsweise Fragen zur Rente, folgen.

Die öffentliche Verwaltung, die laut Schily auf dem Weg der Modernisierung mittlerweile zu den "Spitzenreitern" gehört, muss sich auf einiges gefasst machen: "Beim E-Government ist es wie beim E-Commerce", sagt der SPD-Politiker. "Eine Verbesserung ist nicht möglich, wenn einfach die alten Vorgehensweisen eins zu eins aufs Netz übertragen werden."

Auch wenn Schily es nicht so direkt ausspricht: Den schwerfälligen Verwaltungsapparat auf Internetkurs zu bringen, wird keine leichte Aufgabe. "E-Government führt zu einem Modernisierungsschub", so der Minister. "So etwas geht nicht ohne eine grundlegende Veränderung der Strukturen."

Bis es so weit ist, werden allerdings erst einmal die alten Strukturen bemüht: Für das Unternehmen Internet wurde extra eine "Stabsstelle Moderner Staat - Moderne Verwaltung" ins Leben gerufen.

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