Bundestag: Kondom fürs Internet? - DER SPIEGEL
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Bundestag Kondom fürs Internet?

Bundestag in Harmonie: Aus allen Fraktionen schallten anlässlich einer aktuellen Stunde die Rufe nach mehr Sicherheit im Internet - eine "Schlüsselfrage für die Entwicklung der Weltwirtschaft". Der FDP-Abgeordnete Hans-Joachim Otto brachte die Debatte um "I love you" auf den Punkt: "Genauso wie eine Aktion 'safer sex' brauchen wir eine Aktion 'safer surf'!"
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Die Parteien im Bundestag haben einhellig hohe internationale Sicherheitsstandards für das Internet und verstärkte Aufklärung über die Gefahren der Informationstechnologie gefordert. Diese Aufgaben machten weder vor Partei- noch vor Staatsgrenzen halt, betonten die Abgeordneten in einer Aktuellen Stunde aus Anlass des Computervirus "I love you".

"Genauso wie eine Aktion 'safer sex' brauchen wir eine Aktion 'safer surf'", sagte der FDP-Abgeordnete Hans-Joachim Otto. Er bezeichnete das Computervirus, das Schäden von bis zu zehn Milliarden Mark verursacht habe, als einen "Warnschuss". Nun müssten Regierung und Wirtschaft gemeinsam für einen besseren Schutz vor ähnlichen Angriffen sorgen, der in Zukunft zu einer "Schlüsselfrage für die Entwicklung der Weltwirtschaft" werde.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Siegmar Mosdorf (SPD), warnte angesichts der wachsenden Abhängigkeit weiter Teile der Gesellschaft davor, im Cyberspace einen "staatsfreien Raum" entstehen zu lassen. Innenminister Otto Schily (SPD) verlangte, dass in die Verantwortung für ein sicheres Internet alle einbezogen werden müssten, sowohl die Hard- wie Softwarehersteller als auch Provider und Anwender.

Martin Mayer (CSU) forderte eine umfassende Bedrohungsanalyse. Wenn schon eine einzelne Person durch einen Computervirus solch großen Schaden anrichten könne, so Mayer, könne man die möglichen Gefährdungen durch organisierte Kriminalität oder terroristische Angriffe im Internet nicht länger ignorieren.

Abgeordnete von Regierung und Opposition wiesen überdies darauf hin, dass das Ausmaß des Schadens nur durch die Übermacht der US-Firma Microsoft auf dem Softwaremarkt zu erklären sei. Matthias Berninger (Grüne) forderte die Bundesregierung auf, im Rahmen der EU auf ein kartellrechtliches Verfahren gegen den Softwareriesen hinzuwirken.

Der Computervirus "I love you" hatte sich in der vergangenen Woche per E-Mail auf Millionen von Computern weltweit verbreitet. Durch das Öffnen einer angehängten Datei zerstörte er mehrere Arten von Dateien auf den betroffenen Rechnern und verbreitete sich selbst weiter. In Deutschland war laut einer Umfrage jedes fünfte Unternehmen von dem Viren-Angriff betroffen.