Cebit: Sophos lockt Hacker mit HoneyTrain an - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Digitale Falle Hacker sollen auf den Honigzug aufspringen

Auf der Cebit demonstrieren Sicherheitsforscher Gefahren durch Hackerangriffe. Die aufwendige Simulation einer Eisenbahn-Steuerungsanlage verzeichnete wenige Stunden nach Inbetriebnahmen bereits Zigtausende Zugriffe aus dem Netz.
Sophos-Projekt "HoneyTrain": Wer tappt in die Hacker-Falle?
Sophos-Projekt "HoneyTrain": Wer tappt in die Hacker-Falle?

Sophos-Projekt "HoneyTrain": Wer tappt in die Hacker-Falle?

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das US-Sicherheitsunternehmen Sophos hat zur Computermesse Cebit eine virtuelle Falle für Hacker aufgestellt. Das Projekt "HoneyTrain" - die originalgetreue Simulation eines Steuerungssystems für Züge - soll dabei als Lockmittel dienen. "Wir wollen herausfinden, wie Hacker in solche Systeme einbrechen und was sie dort machen", sagte Chester Wisniewski von Sophos-Labs. "In realer Umgebung ist so etwas schwer zu studieren."

Die am Montagmorgen freigeschaltete Falle wurde bis zum Mittag bereits tausendfach beobachtet beziehungsweise attackiert. Mehr als 7000 Zugriffe auf die Systeme seien aus China registriert worden, über 6000 aus den USA, erklärte Marco Di Filippo, Sprecher bei Koramis, einem deutschen Industrie-Dienstleister, mit dem Sophos kooperiert. Das System soll nun sechs Wochen lang Hacker anlocken.

Um den "HoneyTrain" nach außen möglichst realistisch wirken zu lassen, wurden für den Aufbau der Falle echte Industriesteuerungssysteme verwendet, inklusive der originalen Hard- und Software-Komponenten aus der Automatisierungs- und Leittechnik. In das System eingespeiste Videos von Überwachungskameras echter Bahnhöfe und Zugführer-Kabinen sollen Angreifern den Eindruck vermitteln, es würde sich tatsächlich um ein echtes System im Alltagseinsatz handeln.

Bei Industrieanlagen wie Turbinen, Infrastruktur oder Wassersystemen sei der Sicherheitszustand in vielen Fällen "furchtbar", sagte Wisniewski. Die Steuereinheiten, die zum Beispiel die Weichen für den Zugverkehr kontrollieren, seien in der Regel 30 Jahre alt. "Da gibt es keine Updates wie bei einem PC." Und Verschlüsselungstechniken könnten in solche Systeme nicht nachträglich eingebaut werden. "Wer sich dort einwählt, ist oft automatisch autorisiert."

kbl/dpa