Chaos Communication Congress Wir sind keine Nummer
Same procedure as every year- das jährliche Treffen des Chaos Computer Clubs (CCC) nach Weihnachten ist inzwischen schon eine feste Institution. Bereits zum 20. Mal treffen sich Hacker, Netzaktivisten und andere Lebenskünstler zum Chaos Communication Congress. Im knappen Hackerjargon heißt die Veranstaltung schlicht 20C3 - C3 steht für CCC.
Das diesjährige Motto lautet "Not a number", womit die CCC-Aktivisten ihr Engagement für den Datenschutz unterstreichen wollen. Logisch, dass die immer raffinierteren Techniken zum Tracken persönlicher Daten auch Thema diverser Vorträge sind.
Gleich am ersten Kongresstag, nachdem die CCC-Vertreter Tim Pritlove und Andy Müller-Maguhn "organisatorische Hinweise von Nerd zu Nerd" gegeben haben, geht's ab 11 Uhr um die umstrittenen Schnüffel-Chips RFID. Die Metro-Gruppe testet diese Mini-Transponder bereits als Preisschilder in einem ihrer Märkte - angeblich um die Warenlogistik zu verbessern und Diebstähle bei kleinen Artikeln wie Rasierklingen zu verhindern.
Geklaute Privatsphäre
Der Internetaktivist padeluun charakterisiert RFID-Technik dagegen kurz und knapp mit: "Rationalisiert Arbeitsplätze weg und klaut Privatsphäre". In ihrem Vortrag wollen sich padeluun und zwei Mitstreiter überlegen, wie versteckt angebrachte Transponder mit einem noch zu entwickelnden "DataPrivatizers" gefunden werden können.
Richtig zur Sache geht es beim "Sniffen für Fortgeschrittene". Nils Magnus beweist dabei nicht etwa die flotteste Nase beim Durchziehen langer Linien, sondern erläutert "live und in Farbe", wie man "an die wirklich interessanten Daten" in Paketen herankommt, die in Computernetzwerken hin- und hergeschickt werden. Nach dem Motto: Einfach mal hinhören, was die Kollegen so treiben.
Nach "buffer overflows" fahndet "Phenoelit". Die überlaufenden Zahlenpuffer sind Hauptursache vieler Sicherheitslücken in Software, insbesondere beim Betriebssystem Windows. Für seinen Vortrag hat Phenoelit einige "unterhaltsame Beispiele" für Software Entwicklung angekündigt, die diesmal aus Walldorf/Deutschland kommen.
Ein echter Hacker schwelgt natürlich nicht nur in den alten Atari-Zeiten, als das Internet noch Mailbox hieß. Nein, er schaut auch nach vorn und betätigt sich als Orakel. In der Podiumsdiskussion "Worüber wir nächstes Jahr lachen werden" wollen die Nerds die Zukunft vorhersagen: Welches System oder Programm wird im Jahr 2004 gehackt?
Einbrechen ohne Spuren
Schon seit sieben Jahren tummeln sich auf dem Hackertreffen auch die Sportsfreunde der Sperrtechnik, die in einem gleichnamigen Verein organisiert sind. Sie veranstalten auf dem Kongress die Deutschen Meisterschaften im Schlossöffnen. Wie sich das für Meisterschaften gehört, werden die Sieger in mehreren Kategorien gekürt: Handöffnung, Freestyle, Blitz-Öffnung (in einer Minute) und Impressionstechnik. Das Zylinderschloss darf dabei nicht beschädigt werden.
Auch wenn ihre Anwesenheit zunächst seltsam anmutet - die Sportsfreunde der Sperrtechnik sind auf dem Chaos Communication Congress bestens aufgehoben. Denn wie die Computerinteressierten Teilnehmer definieren auch sie sich als wahre Hacker: Sie hebeln im Handumdrehen Sperren aus, die die Industrie den Verbrauchern als sicher verkauft. Sie wollen nichts klauen oder einbrechen, sondern nur Sicherheitsmängel aufzeigen - Hackerethos pur.