China Alles, bloß kein Windows
Peking - Mit neuem Gegenwind sieht sich Software-Gigant Microsoft in China konfrontiert. Wie die Zeitung "Yangcheng Evening News" unter Berufung auf einen chinesischen Regierungsmitarbeiter meldet, wollen die wichtigsten Ministerien den Einsatz von Windows 2000 auf ihren Computern nicht zulassen. Stattdessen soll auf ein Produkt aus heimischen Landen zurückgegriffen werden: Red Flag-Linux.
Sowohl Microsoft als auch die chinesische Regierung haben den Bericht inzwischen offiziell dementiert. "Wir haben sehr gute Beziehungen zu vielen chinesischen Regierungsbehörden", so eine Microsoft-Sprecherin in Peking. Ein Regierungsverantwortlicher betonte, dass ein Verbot von Microsoft-Software "in nächster Zukunft nicht sehr wahrscheinlich" sei. "Die Regierung steht allerdings auf dem Standpunkt, dass User chinesische Software kaufen sollten."
Durch den Einsatz von Red Flag-Linux, einer von chinesischen Programmierern entwickelten Linux-Version, will sich das Land, so die "Yangcheng Evening News", vom Westen unabhängig machen. Die Zeitung geht sogar noch einen Schritt weiter und vergleicht, gestützt auf Aussagen von Regierungsvertretern, das Vorhaben mit dem Bau der Atombombe oder dem ersten chinesischen Nachrichtensatelliten.
Die Regierung, deren Computersysteme bislang von Microsoftprogrammen dominiert sind, könnte durch Red Flag-Linux zudem Milliarden US-Dollar für neue Software-Einkäufe sparen. Daneben sollen, so chinesische Programmierer, mögliche Sicherheitslöcher in Windows-Produkten von vornherein ausgeschlossen werden.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Microsoft in China mit negativen Schlagzeilen herumärgern muss. So hat zuletzt eine ehemalige chinesische Microsoft-Managerin in einem Buch mit dem Software-Giganten abgerechnet und ihm Arroganz und Unempfindlichkeit gegenüber den Bedürfnissen Chinas vorgeworfen.
Zu einem nationalistischen Aufschrei hat zudem ein Gerichtsverfahren wegen Software-Piraterie geführt, dass die Software-Schmiede gegen eine kleine chinesische Firma angestrengt hatte. Nicht zuletzt seit diesen Vorfällen ist Microsoft in China als böser Monopolist und als Symbol des US-amerikanischen Wirtschaftsimperialismus verschrieen.