China-Hack Google sucht Hilfe bei Geheimdienst NSA
Google im Blick: Der Schock des angeblichen China-Hacks führt zu seltsamen Bündnissen
Foto: Chris Jackson/ Getty ImagesWashington - Es wäre eine brisante Allianz: Der Internetriese Google hat sich einem Pressebericht zufolge im Kampf gegen mutmaßliche chinesische Hacker mit der amerikanischen Super-Lauschbehörde (NSA) verbündet. Die angedachte Vereinbarung sehe vor, dass die NSA helfen soll, die jüngsten Hackerangriffe auf seine Netzwerke aufzuklären, berichtet die "Washington Post". Zugleich solle nach Wegen gesucht werden, weitere Attacken aus China zu verhindern. Den Angaben zufolge wird die NSA dabei keinen Einblick in die Mails oder Suchen der Google-Nutzer erhalten.
Der mutmaßliche Hackerangriff aus der Volksrepublik auf den Suchmaschinenkonzern belastet das Verhältnis zwischen China und den USA. Google hatte nach mehreren Attacken angekündigt, seine Suchmaschine nicht mehr den chinesischen Zensurbestimmungen zu unterwerfen, und mit seinem Rückzug aus China gedroht.
Weder die NSA noch Google wollen den Bericht der "Washington Post" kommentieren. Das Blatt zitiert allerdings NSA-Chef Dennis C. Blair mit einer allgemein gefassten, aber höchst passenden Aussage, die die Notwendigkeit solcher Partnerschaften zwischen Geheimdiensten und Unternehmen im Grundsatz bestätigt. Der Wirtschaftsspionageangriff auf Google, sagte Blair demnach, sei "ein Weckruf" gewesen. Der Cyberspace, so Blair, könne nur geschützt werden, wenn es zu einer "gemeinsamen Anstrengung" komme, "die sowohl amerikanische Wirtschaftsunternehmen als auch unsere internationalen Partner" einschließe.
Überwachungsmeister NSA
Ob und wie bedenklich eine solche Kooperation wäre, hängt auch davon ab, wie sie gestaltet wird: Einen Austausch von Informationen über Hack-Methoden und Präventionsmaßnahmen sehen auch Google-Kritiker als wenig bedenklich. Sollte ein solcher Deal allerdings sogenannte Penetration Tests einschließen, bei denen man einen Partner autorisiert, durch gezielte Angriffe nach Schwachstellen im System zu suchen, wäre dies weit bedenklicher.
Der NSA, einst nur zur Überwachung der Auslandskommunikation und zur Fernaufklärung gegründet, wird seit längerem nachgesagt, eine Art Vollüberwachung der elektronischen Datenströme anzustreben, auch innerhalb der USA. In den vergangenen Jahren wurde die NSA mehrere Male wegen unautorisierter inländischer Abhöraktionen und Überwachung von E-Mail-Verkehr verklagt, mehrere Prozesse sind anhängig. Derzeit ist die NSA der einzige Geheimdienst, dem eine flächendeckende, filtergestützte Überwachung aller E-Mail- und Telefonkommunikation zugetraut wird.
Google im Visier der Geheimdienste
Dass die Geheimen Google jetzt möglicherweise helfen wollen, verwundert kaum: Schon in den Anfangstagen der Konzerns gab es Kontaktanfragen von Seiten "verschiedener Geheimdienste", die auf Datenzugang und Kooperation abzielten. Das Unternehmen, versicherte Google-Gründer Sergey Brin schon in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE im Jahre 2002, habe sich auf solche Vereinbarungen nie eingelassen. Seitdem hat Google wiederholt versichert, Behörden über die Bestimmungen des Homeland Security Acts hinaus keinen Zugang zu Daten zu geben.
Die NSA gilt als mächtigster und geheimster Spionagedienst der USA. Mit modernster Technik kann sie fast überall mithören und mitlesen. Bis zu 120.000 Soldaten und Zivilisten sollen weltweit für die NSA arbeiten. Sie ist wohl kaum der einzige Geheimdienst dieser Art: Einer ganzen Reihe von Ländern wird der Aufbau eigener elektronischer Schnüffeldienste, Hack- und Cyberwar-Abteilungen nachgesagt, von denen viele nicht nur defensiv arbeiten. Ihnen wird auch die Entwicklung und Anwendung von Spionage- und Sabotagemethoden nachgesagt.
China weist Hacker-Angriffe zurück
Unter Verdacht steht hier vor allem China. Der Volksrepublik wurden in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Spionageaktivitäten nachgesagt. Betroffen von nachgewiesenen Hacks waren immer wieder Regimegegner, in China verbotene religiöse Gruppen und auch Regierungen anderer Staaten. So forschten mutmaßlich chinesische Hacker 2007 Staatsstellen in mehreren westlichen Ländern aus, betroffen waren unter anderem die Regierungen von Großbritannien und Deutschland. Der Nachweis, dass diese Attacken von staatlichen Organisationen ausgingen, konnte allerdings nicht erbracht werden.
Mit Blick auf den Google-Fall hatte China Hackerangriffe zuletzt als "internationales Phänomen" gebrandmarkt, das die internationale Gemeinschaft gemeinsam angehen müsse. Auch China sei ein "Opfer von Piraten-Angriffen" im Internet, sagte Außenminister Yang Jiechi am Mittwoch in Paris. China sei für ein "komplett offenes" Internet und heiße ausländische Firmen willkommen, solange sie sich an die Gesetze hielten, sagte Yang mit Bezug auf den Streit mit Google.