Clear View Gestures Alles auf einen Wisch
Clear View Gestures: Blumensymbol statt Homescreen
Foto: Clear View Gestures/ Manu Bhagat"Spüre die Kraft der Gesten", schreiben die Entwickler von Clear View Gestures im Play Store . Die neue Android-App soll die Arbeit am Smartphone leichter machen. Nutzer müssen nicht mehr im Telefonbuch scrollen, um ihre Lieblingskontakte anzurufen, heißt es da. Die Suche nach App-Icons sei damit Vergangenheit. Für alle wichtigen Aufgaben brauche es mit Clear View Gestures nur noch einen Fingerwisch.
Um die "Kraft der Gesten" zu spüren, lösche ich alle Icons und Verknüpfungen von meinem Homescreen. Die brauche ich ja angeblich nicht mehr, wenn ich künftig meine Aufgaben mit Gesten erledigen will. Schon herrscht auf meinem Smartphone klare Sicht: clear view.
Bei der Installation sehe ich, dass ich Clear View Gestures viel Vertrauen schenken muss: Die App benötigt unter anderem Zugriff auf meine Kontakte, meine Fotos, meine Kamera und die Informationen zur WLAN-Verbindung. Logisch, schließlich soll die App all das später steuern.
Herz malen, Freundin anrufen
Als erstes will ich der App beibringen, meine Freundin anzurufen, wenn ich ein Herz male. Die neue Geste muss ich mit dem Finger in ein dafür vorgesehenes Fenster malen. Mein Herz sieht aus wie eine zittrige Pinselzeichnung mit Microsoft Paint.
Drei Mal muss ich das Herz malen, erst dann ist die App zufrieden. Die mehrfachen Skizzen helfen Clear View Gestures, die Geste später verlässlich zu erkennen. Dann wähle ich in einem Menü aus, wie die App auf das Herz reagieren soll.
App zum Zeitsparen: Alles auf einen Wisch
In wenigen Sekunden sind die nächsten Gesten definiert: Ein Kreis soll die Kamera-App starten, ein Querstrich das WLAN an- oder abschalten. Für Google Maps wähle ich ein M, für das Mailprogramm ein @. Beim F für Facebook gibt es schon erste Probleme, denn jede Geste muss ohne abzusetzen gemalt werden.
Gesten werden verblüffend gut erkannt
Wenig später gehen mir die Ideen aus, denn die gemalten Gesten müssen sich deutlich voneinander unterscheiden. Zum Aufrufen einer Website mit der Wettervorhersage will ich zum Beispiel einen Regentropfen malen. Aber die Clear-View-Gestures-App behauptet, mein Tropfen habe zu große Ähnlichkeit mit dem zuvor gespeicherten Herzen. Ich entscheide mich also für ein Fragezeichen - wer die "Kraft der Gesten" spüren will, muss erfinderisch sein.
Um schließlich das Smartphone durch Gesten zu steuern, reicht ein Fingertipp auf das App-Symbol - schon verwandelt sich der Bildschirm in eine grau hinterlegte Zeichenfläche. Auf den Touchscreen gemalte Gesten erkennt Clear View Gestures verblüffend gut. Selbst ein flüchtig hingewischter Kreis oder ein extra kleines M sind für die App kein Problem.
Fazit
Trotzdem lässt sich nach zwei Tagen mit Clear View Gestures kein eindeutiges Urteil fällen: Die App arbeitet zuverlässig und lässt sich auch mit nur einer Hand bequem bedienen. Auf die zusätzlichen Funktionen der 0,99 Euro teuren Pro-Version kann man problemlos verzichten.
Zeit habe ich mit Clear View Gestures aber nicht gewonnen. Vielmehr habe ich Zeit darauf verwendet, meine Palette an Gesten zu erweitern - und mich an bereits festgelegte Gesten zu erinnern. Im Zweifel ist die Versuchung groß, dann doch schnell nach dem entsprechenden Icon zu suchen. Einen gut bestückten Homescreen kann die App also nicht ersetzen, aber ergänzen. Zum Beispiel mit gemalten Herzchen.