Computerkriminalität: Die Opfer schweigen lieber - DER SPIEGEL
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Computerkriminalität Die Opfer schweigen lieber

Die meisten großen US-Firmen wurden im letzten Jahr Opfer von Computerkriminalität - Anzeige erstatteten jedoch nur wenige. Den Betroffenen sind die Sicherheitslücken peinlich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer über Schäden durch Datenschnüffelei und -spionage, gezielte Sabotage oder "sportlich" motivierte Cyberattacken spricht, der kann nur schätzen: Entgegen aller Bemühungen von Seiten der Politik ist die Dunkelziffer in Sachen Computerkriminalität wohl weit größer als in irgendeinem anderen Bereich.

Das liegt unter anderem an der vermuteten Vielzahl nie entdeckter Attacken, aber mehr noch an der Tatsache, dass geschädigte Unternehmen keine Anzeigen erstatten. Dies geht zumindest aus einer Studie des Instituts für Computersicherheit und der Abteilung für Computerkriminalität beim FBI in San Francisco hervor.

Von 503 befragten Firmen, Behörden, Finanzinstituten und Universitäten erklärten 90 Prozent, dass sie im vergangenen Jahr Sicherheitsverstöße bemerkt hätten. Aber nur 34 Prozent meldeten dies den Behörden.

"Es gibt mehr illegale Vorgänge im Cyberspace, als die Firmen ihren Kunden, Aktionären oder Geschäftspartnern mitteilen", erklärt dazu Patrice Rapalus vom Institut für Computersicherheit. Die Firmen hätten auch nicht viel davon, wenn sie die Vergehen öffentlich machten, sagt Mark Rasch, der früher im US-Justizministerium arbeitete. "Grundsätzlich hilft es ihnen nicht. Die Firmen wollen das Problem also nur schnell lösen und dann zur Tagesordnung übergehen." Vielen Systemverantwortlichen dürften zudem erfolgreiche Attacken peinlich sein.

Der Studie zufolge, die das siebte Jahr in Folge erhoben wurde, gab es 2001 mehr Fälle von Computerkriminalität als im Jahr zuvor. Die Verluste auf Grund von Computerkriminalität wurden auf 455 Millionen Dollar beziffert, nach 377 Millionen Dollar im Vorjahr. Angaben zu den Verlusten machten aber nur die Hälfte der Befragten - präzise Zahlen fehlen also weiterhin.

Die meisten Angriffe auf Computersysteme kamen von Hackern und enttäuschten oder verärgerten Angestellten in den Firmen selbst: Bis zum letzten Jahr stellten firmeninterne "Racheakte" das Gros der Delikte. Bereits im Herbst 2001 zeichnete sich jedoch ab, dass inzwischen die meisten Attacken von außerhalb kommen: Zumeist sind dies Akte eines "digitalen Vandalismus".

Computerkriminalität zum Zweck der eigenen persönlichen Bereicherung ist hingegen selten. In einigen Fällen soll immerhin versucht worden sein, mit der Drohung, wichtige Daten zu veröffentlichen, Geld zu erpressen. Häufiger dürfte Industriespionage vorkommen.

Als großes Problem gilt auch der Missbrauch von Firmencomputern. 78 Prozent der Befragten erklärten, das Internet werde von Angestellten dazu missbraucht, um etwa Pornografie oder Raubkopien von Software aus dem Internet herunterzuladen.