Crystal: Dieser Web-Dienst kennt deine Persönlichkeit - DER SPIEGEL
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Angetippt Crystal kennt dich

Obamas Profil: Wer dem US-Präsidenten eine Mail schreibt, sollte ruhig einen Smiley einbauen.
Obamas Profil: Wer dem US-Präsidenten eine Mail schreibt, sollte ruhig einen Smiley einbauen.

Obamas Profil: Wer dem US-Präsidenten eine Mail schreibt, sollte ruhig einen Smiley einbauen.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wie schreibe ich eine E-Mail an meinen Chef oder Partner so, dass sie richtig verstanden wird? Die Antwort gibt Crystal: Der Web-Dienst kennt meinen Chef und meinen Partner besser als ich selbst. Das kann ganz schön gruslig sein.

Bloß kein Emoji, keine Gefühle und möglichst nicht mehr als drei Sätze. So sieht die perfekte E-Mail an meinen Chef aus. Meinem Kollegen kann ich ruhig lange Mails schreiben und auch eine ausführliche Antwort erwarten. Sagt jedenfalls Crystal , die Web-Anwendung, die Internetnutzern in den Kopf schaut.

Man loggt sich mit seinem LinkedIn -Konto oder seiner E-Mail-Adresse ein, tippt einen Namen in das Suchfeld, und die App durchforstet das Internet nach Informationen über und von dem Gesuchten. Crystal gibt es auch als Gmail-Plug-in, das eine Mail analysiert, während sie geschrieben wird. Und auch gleich noch vorschlägt, ob man sich knapper halten oder mehr Smalltalk einbauen sollte.

Die Anwendung analysiert auch Beziehungen

Der New Yorker Unternehmer und Marketing-Experte Drew D'Agostino hat den Algorithmus entwickelt, mit dem Crystal Informationen auswertet. Grundlage dafür sind alle Texte, die die gesuchte Person in sozialen Netzwerken und anderen öffentlich zugänglichen Quellen unter ihrem vollen Namen veröffentlicht hat. Anhand dieser Daten wählt Crystal eins von 64 Kommunikationsprofilen aus, das am besten zu dem entsprechenden Nutzer passt. Außerdem können Nutzer andere Nutzer beschreiben, solange sie sie persönlich kennen.

Wie sicher Crystal mit ihrer Prognose ist, gibt die Anwendung gleich mit an: Bei meinem Chef sind es immerhin 62 Prozent, bei meinem Kollegen nur 43. Das liegt auch daran, dass Crystal bisher nur englischsprachige Informationen auswertet. Viele meiner Kollegen und mich selbst findet die App gar nicht - was uns ganz recht ist. Wer will schon von einem Computerprogramm in eine Schublade gesteckt werden?

Crystal soll damit vor allem Mitarbeitern im Marketing und Verkauf helfen, ihre Kunden individuell anzusprechen. Kommt eine förmliche Anrede gut an oder sollte man ruhig einen kleinen Witz einbauen? Die App dürfte aber auch für Chefs interessant sein, die Teams zusammenstellen wollen. Denn Crystal analysiert auch, wie zwei Menschen zusammenarbeiten und was ihre Stärken und Schwächen im Team wären.

Wenn Crystal zu viel ausplaudert

Die Beziehung zwischen mir und meinem Chef analysiert Crystal zum Beispiel so: Ich beschwere mich, wenn er mich dauernd korrigiert - aber im Grunde weiß ich doch, dass er recht hat und seine Korrekturen gut für mich sind. Und: Wenn wir uns streiten, geht mein Chef logisch vor, ich argumentiere mit Gefühl - und dann sind wir beide frustriert.

So jedenfalls die Prognose. Außerdem erklärt Crystal in Stichpunkten, wie man am besten mit der jeweiligen Person kommunizieren sollte. Und auch, wie derjenige arbeitet, was ihm leicht fällt und womit er Probleme hat. Doch allerspätestens hier wird Crystal gruselig: Sie lässt tiefer blicken, als manchem das lieb wäre. Crystal behauptet zum Beispiel, dass einer meiner Kollegen sich hin und wieder verzettelt und Aufgaben vergisst. Oder dass ein anderer öfter mal unpünktlich ist und wenig Mitgefühl zeigt.

Dass das Internet alles über uns weiß, ist nicht neu. Aber mittlerweile plaudert es dieses Wissen auf Nachfrage immer schneller aus. Da ist es immerhin eine kleine Erleichterung, dass D'Agostino sich bislang nur auf den englischsprachigen Markt beschränken will.

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