Cyber-Proteste Chinesen attackieren japanische Webseiten
Gut möglich, dass am kommenden Wochenende so einige japanische Regierungsseiten unter massenhaften Seitenaufrufen kollabieren werden: Einen ersten Erfolg konnten chinesische Cyber-Protestler am Mittwoch bereits verbuchen. Für rund fünf Stunden waren die Webseiten des japanischen Verteidigungsministeriums und der nationalen Polizeibehörde unerreichbar, als sie unter massenhaften Seitenaufrufen kollabierten.
Zu der Aktion hatte eine chinesische Webseite aufgerufen und damit eine weitere Plattform für die anti-japanischen Proteste geschaffen. Nach dem Erfolg der ersten Aktion begannen mehrere Web- und Forumsseiten offenbar koordiniert damit, zu einer zweiten Protestwelle aufzurufen.
Wie genau es den chinesischen Surfern gelang, die Regierungsseiten "abzuschießen", wollten oder konnten Sprecher der japanischen Regierung nicht erklären. Dass aber "chinesische Cyber-Attacken" in der einen oder anderen Weise dafür verantwortlich seien, sei eine konrete "Möglichkeit", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dem japanischen Fernsehen.
Direkte Schuldzuweisungen vermeiden die betroffenen Ministerien also - obwohl ihnen selbst das Timing der nächsten Attacken bereits bekannt ist. Die Cyberattacken sollen die für das Wochenende angesetzten Demonstrationen in mehreren chinesischen Großstädten flankieren. Ihren Höhepunkt könnten sowohl Straßen-, als auch Web-Protestaktionen am Sonntag erreichen, wenn Japans Außenminister Nobutaka Michimura zu einem Besuch in Peking erwartet wird.
Die gängigste, leicht umzusetzende Methode, eine Webseite regelrecht aus dem WWW zu fegen, ist die Überlastung des Servers durch massenhafte Seitenaufrufe oder - weit effektiver - durch seine Beschickung mit sinnlosen Datenmengen.
Die Beziehungen zwischen China und Japan sind wegen der angeblichen Verharmlosung japanischer Kriegsverbrechen in China angespannt. Seit Tagen kommt es zu Demonstrationen gegen japanische Organisationen und Unternehmen in China, die entgegen der sonst üblichen Praxis bei unangemeldeten Protesten von den chinesischen Behören bisher nicht unterbunden wurden. Die Spannungen zwischen den beiden Ländern verschärften sich am Donnerstag nochmals wegen japanischer Probebohrungen nach Öl- und Gasvorkommen in einem umstrittenen Seegebiet.